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Was die Unterschiede hinsichtlich der Furchen der rechten und linken Hemisphären des weiblichen Gehirns
betrifft, so scheint mir die Anzahl der untersuchten weiblichen Hemisphären (12 und 13) zu gering zu sein,
um aus den vorhandenen Zahlen Schlüsse zu ziehen.
Weibliche Hemisphären.
Die sämmtlichen 25 weiblichen Hemisphären lassen sich, obwohl eine grössere Anzahl solcher Hemisphären
Wünschenwerth wäre, doch mit den sämmtlichen 75 männlichen vergleichen.
Schon bei der Betrachtung des Verhaltens des vorderen Astes der Fissura Sylvii fällt es auf, dass bei den
weiblichen Hemisphären ein Operculum front, intermedium in allen 25 Fällen vorhanden, und dass dieser vordere
Ast nie einfach war. Bei den männlichen war dies in 82 % der Fall.
Die anomalen Verbindungen der Centraifurche zeigten bei den männlichen und weiblichen Hemisphären im
Grossen und Ganzen keine nennenswerthen Unterschiede, v. A. wenn man bedenkt, dass die Anzahl der weiblichen
Hemisphären zu gering ist, um betreffs der selteneren Anomalien sichere Schlüsse zu gestatten. Eine Verbindung
der Centraifurche mit der Fissura Sylvii durch die Vermittelung des Sulcus subcentralis posterior wurde
in den 25 weiblichen Hemisphären nicht angetroffen.
Dagegen kam in den weiblichen Hemisphären die entsprechende Verbindung der unteren Präcentraifurche
mit der Fissura Sylvii durch die Vermittelung des Sulcus subcentralis anterior und des Sulcus diagonalis öfter
als in den männlichen vor, nämlich in den weiblichen in resp. 12 und 52 f», in den männlichen in 8 und 34 %■
Die beiden Präcentraifurchen anastomosirten mit einander bei den weiblichen Hemisphären seltener als bei
den männlichen, nämlich in resp. 12 und 27 %. Dagegen kam die Anastomose der unteren Präcentraifurche mit
der unteren Stirnfurche in weniger differirendem Verhältniss (bei den weibl. in 84 %, bei den männl. in 75 %) vor.
Der Sulcus frontalis superior war in den weiblichen Hemisphären öfter einheitlich als in den männlichen
(in resp. 44 % und 28 %).
Der Sulcus frontalis inferior zeigte öfter in den männlichen Hemisphären oberflächliche Brückenwindungen.
Der Sulcus fronto-marginalis war, eigentümlicher Weise, in den männlichen Hemisphären öfter einheitlich
als in den weiblichen (in resp. 22 % und 12 %).
Der Sulcus postcentralis zeigte sich bei den weiblichen Hemisphären in den allermeisten Fällen (in 92 %)
einheitlich, viel öfter als bei den männlichen Hemisphären (in 71 %), und nur in 8 % in 2 und nie in 3 Stücke
getrennt; er war bei den weiblichen Hemisphären auch in der überwiegenden Mehrzahl (in 76 %), bei den männlichen
aber seltener (in 48 %) sowohl einheitlich als mit der Interparietalfurche vereinigt.
Der Sulcus postcentralis superior allein wurde bei den weiblichen Hemisphären nie, bei den männlichen in
6 % mit der Interparietalfurche vereinigt gefunden. Der Sulcus postcentralis inferior anastomosirte mit der Interparietalfurche
, bei den weiblichen in 8, bei den männlichen Hemisphären in 12 %. Bei den weiblichen Hein,
wurde kein Fall angetroffen, in Avelchem alle drei Furchen von einander getrennt waren, was sich dagegen bei
den männlichen öfter (in 12 %) beobachten liess. Eine Verbindung des Sulcus postcentralis mit der Fissura Sylvii
durch die Vermittelung des Sulcus subcentralis posterior wurde bei den männlichen Hemisphären in 46 %, bei
den weiblichen in nur 24 % der Fälle angetroffen.
Die Interparietalfurche war, merkwürdiger Weise, in beiden Kategorien in der gleichen Zahl (in 52 %) einheitlich
. Oberflächliche mittlere Brückenwindungen waren in beiden Kategorien auch beinahe gleich zahlreich
vorhanden (in den männlichen Hemisphären in 45 %, in den weiblichen in 48 %\ hintere in resp. 6 und 4 %).
Ein selbstständiger Lobulus parieto-occipitalis kam bei den männlichen Hemisphären in 23 bei den weiblichen
in 21 % vor. Ein oberflächlicher Gyrus cuneo-lingualis anterior wurde beim Weibe nicht, beim Manne
in 4 % der Fälle angetroffen; ein oberfl. Gyrus cuneo-lingualis posterior war ungefähr ebenso oft in den weiblichen
Hemisphären, wie in den männlichen vorhanden (in resp. 16 und 15 %).
Im Sulcus ternporalis superior zeigten sich die oberflächlichen Brücken Windungen I und II in ungefähr entsprechender
Anzahl (weibl. 64 und 32 %, männl. resp. 72 und 28 %), der S. t, m-s. III war dagegen in den
männlichen Hemisphären weit zahlreicher vorhanden (männl. 21 %, weibl. 4 %).
Die Fissura rhinica war in allen weiblichen und in 95 % der männlichen Hemisphären nachweisbar. Der Sulcus
rhinencephali inferior kam in den weiblichen Hemisphären öfter als in den männlichen vor (in resp. 76 und 51 %).
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