Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., TF 2014/23
Plastisch-anatomischer Atlas zum Studium des Modells und der Antike: 24 Tafeln in Holzschnitt nebst 10 Erklärungstafeln und Text
Stuttgart, 1870
Seite: 25
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Anatomische Literatur

  (z. B.: IV, 145, xii)



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hobenem Arm sind die Zacken des letzteren unter der Haut zu bemerken,
um so mehr werden sie markirt erscheinen müssen nachdem der Arm

schwer belastet ist

Das Gewicht der Kugel würde das Handgelenk zu weit nach rückwärts
ziehen, in Folge dessen auch die Handwurzelknochen {Ossa carpi) auf der
inneren Fläche des Handgelenks eine Auftreibung verursachen; unter der
gespannten Haut markirt sich das grosse vieleckige Bein (Os multangulum
melius), jedoch der Beuger der Hand auf der Speichenseite (Flexor carpi
radialis) und der lange Hohlhandmuskel (71/. palmaris longns) suchen
dies durch ihre Action zu verhindern indem sie das Gegentheil zu bewirken
bestrebt sind, wesshalb auch die Sehnen derselben so stark unier
der Haut markirt erscheinen. Die Flächen am Handgelenke sind theil-
weise von der knöchernen Grundlage des Skelets sowie von den darüberziehenden
Sehnen gebildet.

Der Arm hat die Aufgabe, sich mit der Last zu heben und von der
früher mehr gebeugten ') Stellung in die gestreckte überzugehen. In- der
Nähe des Ursprungs des zweiköpfigen Armmuskels (M. bieeps bracliialis)
sieht man beide Köpfe fast getrennt durch die Haut hindurch da diese im
Verein mit dem kräftigen Deltamuskel (71/. cleltoideus) den Oberarm heben.
Der rechte Brustmuskel {M. pectoralis major) flacht sich in Folge dessen
mehr ab und hält zugleich den Arm in dieser Lage mit fest.

Der hauptsächlichste Theil der Streckung fällt nun dem dreiköpfigen
Streckmuskel des Armes (71/. extensor trieeps) zu, auf der Rückseite des
letzteren sieht man auch den Muskelkörper desselben bedeutend angeschwollen
, seine prall angespannte Sehne bildet eine vertiefte Fläche, seine
drei Köpfe mit ihren abwechselnden Formen und Flächen bilden den Reiz
der hinteren Seite des Oberarmes.

Da die Kugel in der Gegend des Muskels des langen Streckers der
Hand auf der Speichenseite (71/. extensor carpi radialis longas) balancirt,
so ist im Falle dass sie in der Richtung gegen den Kopf des Athleten
zu fallen sollte, derselbe ziemlich seitlich geneigt, zugleich aber so gedreht
dass das Auge Hand und Kugel beobachten kann; der Muskel hiefür ist der
linke Kopfnicker (71/. sterno cleiclo-mastoideus) und besonders dessen Brust-
beinportion. Durch seine Verdickung und die Spannung der Haut wird die
Vena jangularis theilweise sichtbar. (Siehe Taf. V. Kopfnicker 19 u. VII.)
Der rechte erleidet eine Dehnung wesshalb auch trotz des passiven Verhaltens
die Endsehne seiner Brustbeinportion an der Handhabe des Brustbeines
(Manubrium slerni) bedeutend markirt erscheint.

Ebenso sieht man durch die Spannung der Haut die vordere Ecke
des Kehlkopfes stark hervortreten.

Der Oberkörper ist seitwärts geneigt der herabhängende Arm etwas
vom Körper entfernt und massig gebeugt, theils um das Gleichgewicht mit
herzustellen und um aus Vorsicht bei etwa unzureichender Kraft sofort dem belasteten
Arm zu Hülfe zu kommen. Je grösser der Aufwand von Kraft desto
grösser die Spannung der einander entgegenarbeitenden Muskeln, dcsshalb
auch die markirteren Formen, bei dem schon in Bereitschaft stehenden Arm.

Bei der seitlichen Biegung des Rumpfes sieht man in der Ansicht derselben
den schiefen Bauchmuskel (71/. obliquas abclominis externus) als einen
hreiten flachenWulst den Darmbeinkamm etwas überschneidend, hervortreten.
Das knorpelige Ende der 7., 8. u. 9 Rippe bilden die vordere Begrenzungslinie
des Brustkastens indem die im Fleische freisteckenden^Rippen zusammengedrückt
werden. (Siehe Taf. I. u. II.)

Auf der der Neigung entgegengesetzten rechten Seite ist die Haut sehr
straff gespannt, die drei letzten Rippen werden durch die Action des schiefen
Bauchmuskels mehr auseinandergezogen, die zehnte Rippe wird unter der
Haut etwas sichtbar und auf dieser Seite wird die vordere Begrenzung
des Brustkastens von der 7. 8. u. 9. Rippe gebildet.

Am Rücken bilden die Dornfortsätze der Wirbel eine tiefe Furche,
indem rechts und links derselben die beiden Rückenstreeker besonders
deren mittlere Partie als lange Rückenmuskoln (M. longissimus) (Siehe
Taf. IV. 121) gewaltig hervortreten. Nach oben sieht man in einer fast
ovalen Fläche den 7ten Hals- und den lten Brustwirbel unter der Haut
erscheinen. Da die Rückwärtsbiegung in den Lendenwirbeln geschieht so
wird die Haut dort etwas zusammengeschoben werden und faltig erscheinen,
jedoch in einem sehr geringen Grad, wie es auch bei der seitlichen Biegung
auf der hintern Fläche des schiefen Bauchmuskels der Fall ist, denn bei
jugendlichen kräftig entwickcllen Individuen ist die Haut sehr elastisch
und fügt sich mehr den Muskeln stramm an. Bei dem gehobenen Arme
sieht man nun auf dieser Rückenseite den Deltamuskel (.1/. deltoideas) ganz
gewaltig mitwirken, seine drei Portionen treten sehr erkenntlich hervor,
die mittlere welche von der Schulterhöhe {Acvomion) entspringt ist hier

') Ein sehr stark gebeugter muskulöser Arm wurde von mir in natürl.
Grösse modellirt, ebenso früher ein lebensgrosser Rumpf mit Kopf,
beide befinden sich in Original-Abgüssen in der kgl. Akademie der
bildenden Künste zu München und anderweitigen Kunstanstalten.
Irrthümlicher Weise werden die^e beiden Arbeiten für Naturab-
gü-se betrachtet, sind jedoch frühere Studien von mir.

besonders thätig. Der nach obenzu umgeschlagene Kapuzenmuskel (71/. cucul-
laris) der rechten Seite, welcher sich theilweise am Schlüsselbeine anheftet,
verdickt sich mehr indem er die Schulter etwas hebt. Die von dem Rückgrat
aufsteigende Portion desselben heftet sich an die Gräte des Schulterblattes
, und durch die Verkürzung der untersten Portion (von dem Dornfortsatze
der untersten Brustwirbel entspringend) dreht er das Schulterblatt
nach aussen, die Wirkung dieser Portion auf die Grätenecke ist ziemlich
bemerkbar. (Siehe Taf. VIII.)

Die wulstige Auftreibung oberhalb der Schulterblattgräte rührt von der
Action des darunter liegenden Obergrätengrubenmuskels (71/. suprasj?inatus)
bor, er hilft den Arm mit lieben und nach aussen rollen; bei Letzterem
wird er von der Untergrätenmuskel (71/. infraspinatus~) und dem kleinen
runden Armmuskel (71/. teres minor) unterstützt welche zusammen hier
eine erhabene Fläche bilden. Durch die Action dieser drei Muskeln erscheint
nun die Grätenecke als eine flache Grube. Das Schulterblatt dieser
Seite ist mehr abgeflacht während das der Linken mehr aufgetrieben erscheint
. Es ist von den umgebenden Muskeln in seiner eingenommenen
Stellung fest gehalten und liegt der Rückenlinie etwas näher, die beiden
rautenförmigen Muskeln (71/. rhomboideus major et minor) sind verkürzt
wesshalb auch die Auftreibung an den hinteren Rand des Schulterblattes.

Die unteren Winkel beider Schulterblätter sowie der grosse runde
Armmuskel (71/. teres major) sind von dem breitestenRuckenmutkel (71/. lat-
tissimas dorsi) überdeckt, das Schulterblatt des gehobenen Armes weniger
als das des herabhängenden. Durch die Spannung welcher dieser Muskel
und mit ihm die Haut erleidet sieht man seine von den Rippen aufsteigenden
fleischigen Zacken, zwischen welchen sich die des schiefen
Bauchmuskels einschieben, sehr zart unter der Haut hindurch, ebenso
einige Rippen besonders die sechste in der Nähe des unteren Schulterblattwinkels
machen sich bemerkbar, auch kann man die Begrenzungslinie
des grossen sägeförmigen Muskels (M. serratus anticus) von der
letzten Zacke desselben bis zu diesem Winkel verfolgen. Die Flächen
und piquanten Vertiefungen welche hier sichtbar werden erfordern sehr
viel Aufmerksamkeit bei der Darstellung.

Die beiden gewaltigen Gesässmuskeln (71/. gluteus magnus) sind hier
in ihrer Form sehr verschieden, der des zurückgestellten Beines ist nicht
so prall gespannt wie der des vorgehobenen, wohl aber ist ihre Ursprungslinie
von der Darmbeinlefze und Kreuzbeinfläche sehr markirt, sie fixiren
beide das Becken im Hüftgelenk wobei sie auch von dem mittleren Gesässmuskel
, (M. gluteus medius) unterstützt werden. Da das gestreckte
Bein zugleich auswärts gestellt ist so rückt der grosse Rollhügel (Troch-
anter major~) dem Darmbeinkamme {Crista ossis Hei) näher, der mittlere
Gesässmuskel welcher dies mit bewirkt ist desshalb verkürzt und sehr
aufgetrieben. Der grosse Gesässmuskel des gestrekten Beines setzt sich
am Oberschenkel ziemlich scharf ab und bildet eine breite gegen die
Spalte des Gesässes spitz zulaufende Hautfalte. Der des vorgehobenen gebeugten
Beines ist im Ganzen mehr abgeflacht, er hat auch eine weit
grössere Kraft zu entwickeln um den Oberschenkel zu fixiren indem auf
dieses Bein hauptsächlich die Last einwirkt. Seine Muskelbündel werden
desshalb unter der Haut etwas sichtbar besonders in der Nähe des Rollhügels
seines Anheftungspunktes und bilden dann gegen die Endsehne
zu vertiefte Flächen. Beide Muskeln sind fest zusammengekniffen wodurch
auch oberhalb des Steissbeines, wo dasselbe nach einwärts biegt, eine
charakteristische Vertiefung entsteht. In beiden Muskeln ist das Gepräge
von Kraft nicht zu verkennen. (Siehe Taf. VIII. und X.)

Die Haut ist mit dem hinteren oberen Darmbeinstachel {Spina anterior
superior) verwachsen, durch die Anschwellung der herumliegenden Muskeln
wird sie aufgetrieben, wodurch sich nun die Grübchen über den
Darmbeinstacheln erklären. Der Spanner der Schenkelbinde {Tensor fasciae
latae) welcher seines Ursprungs und Anheftungspunktes halber ebenfalls zur
Feststellung des Beckens beiträgt, zieht so stark an dieser breiten Binde, dass
in Folge dieses Zuges der äussere dicke Schenkelmuskel (71/. vastus externus
) getheilt erscheint (siehe Taf. XX. und XXI.); daher rühren auch die
Flächen des äusseren oberen Theiles. dieses Muskels, wodurch an der
äusseren Seite des Oberschenkels eine breite coneave Fläche entsteht. An
derselben Seite sieht man gegen das Kniegelenk zu seinen fleischigen Ansätze
an derselben sehr markirt in kleinen Flächen erscheinen. — Der
zweiköpfige Schenkelmuskel (71/. bieeps femoris) ist sehr thätig, die Sehne
seines langen Kopfes wird unter der darüber gespannten Haut bis zu dem
Wadenbeinköpfchen an welchen er sich festsetzt, stark sichtbar. (Siehe
Taf. XX.) Sein kurzer Kopf sinkt zurück und es entsteht eine längliche
Vertiefung. Der äussere Oberschenkelknorren des Schienbeines {Condylus
tibiae) sowie die stramm gespannte Strecksehne unter welcher die Kniescheibe
liegt sind sehr deutlich zu erkennen. (Siehe Taf. XXI.) Die Kniekehle
erscheint an der inneren Seite des Oberschenkels tiefer als an der
äusseren, denn da die Muskeln der inneren Seite sich weiter unten am
Schenkel festsetzen so wird durch die Spannung derselben dieser Rand
höher. Der Zwillingsmuskel der Wade, welcher einestheils durch seine
beiden Ursprungsköpfe das Knie in den bestimmten Beugungswinkel fixirt

Roth, anatom. Atlas. Text.


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