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Tafel XI
A. S k e I e t des Kopfes.
*1) Stirnbein........ Os frontis.
2) Seitenwandbein...... Os parietale.
*3) Hinterbauptbein..... Os occipitis.
4) Hinterhauptstachel .... Protuberantia occipitalis.
5) Warzenfortsatz...... Processus mastoideus.
*6) Unterkieferwinkel..... Angulus mandibulae inferioris.
*7) Vordere Fläche d. Unterkiefers.
*8) Angenbrauenbogen .... Arcus superciliaris.
*9) Nasenstachel...... Processus nasalis.
* 10) Aeusserer Gehörgang . . . Meatus auditorius externus.
11) Jochfortsatz des Schläfenbeines Processus zygomaticus.
* 12) Jochbein........ Os zygomaticum.
*13) Nasenbein....... Os nasi.
*14) Schläfenbein...... Os temporum.
15) Absteigender Kieferast.
*16) Oberkieferbein...... Mandibüla superior.
*17) Zungenbein....... Os hyoides.
*18) Aufsteigender Kieferast.
Anmerkungen.
*1) Die beiden flachen Erhöhungen auf der Vorderfläche des Stirnbeines
sind die Stirnhügel (Tubera frontalia).
*3) "Wenn die untere Fläche des Hinterhauptbeines mit einer zum Na-
senstachcl wagrecht gezogenen Linie tangirt, wird mit Hinterkopf und
Gesicht ein angenehmes Verhältniss erzielt.
*6) Die Flächen des Unterkiefers findet man selbst bei den zartesten
weiblichen Köpfen ausgesprochen, nur eine süssliche Manier, wie man
sie so häufig an modernen Madonnenköpfen gewahr wird, sucht,
selbst auf Kosten der Naturwahrheit die ausgesprochenen Flächen,
um dem Vorwurf der Härte zu entgehen, in ein drehrundes Oval
zu verwandeln.
*7) Am unteren Rande dieser Fläche sieht man en face zwei kleine
Höckerchen (Tubercula meritalia), wodurch der Uebei'gang in die
seitlichen Flächen mehr markirt erscheint, als am Zahnrande. Durch
einen dreiseitigen Vorsprung [Protuberantia mentalis) wird diese
Fläche in zwei Gruben (Fossa mentalis) getheilt.
*8) Durch die Mächtigkeit jener Wölbung erhält das Stirnbein den gewaltigen
Ausdruck, welchen man bei grossen Denkern so häufig
gewahr wird.
*9) Eine Linie vom Nasenstachel zum Gehörgang und eine zur Stirnfläche
ist der Camper'sche Gesichtswinkel. Dieser hat jedoch
für den Künstler keine praktische Anwendung. Von grösserer Bedeutung
ist jedoch ein Winkel, besonders für das Portrait, von dem
Kinn zur Nasenspitze und von hier zur Stirnfläche gezogen.
*10) Bei geschlossenem Munde wird der Gehörgang etwas von dem Gelenkkopfe
des Unterkiefers beengt, wesshalb man auch bei angestrengtem
Horchen den Mund öffnet, wobei der Gelenkkopf etwas
nach vorn geschoben wird, um den Gehörgang zu erweitern (bringt
man den kleinen Finger in die Oeffnung der Ohrmuschel, so kann
man diess beim Öffnen und Schliessen des Mundes recht gut fühlen),
damit eine grössere Anzahl der Schallwellen auf das Trommelfell
treffen kann.
*12) Die Wangenfläche des Jochbeines ist ein sehr charakteristischer
Theil des Gesichtes, überhaupt ist die knöcherne Grundlage, das
knöcherne Gerüst eines Schädels bei dem plastischen Portrait sehr
von Wichtigkeit, hierin allein liegt das grösste Charakteristikum.
*13) Beide Nasenbeine zusammen bilden den Nasenrücken.
*14) ZAvischen den Wurzeln des Schläfenfortsatzes liegt die Gelenkgrube
des Unterkiefers (Fossa glenoidalis).
*16) Im Alter erleiden beide Kiefer eine bedeutende Veränderung, besonders
der Unterkiefer wird kleiner und schmächtiger. Die vorderen
Flächen beider Kiefer sinken, wenn die Zähne fehlen, gegen
die Mundspalte hin, ein. Wie auffallend hiedurch das Alter gekennzeichnet
wird, kann man schon im knöchernen Schädel sehen.
Solche Thatsachen können desshalb bei der Darstellung älterer
Köpfe nicht unberücksichtigt bleiben.
*17) (Siehe den Schädel en face der Muskeln.)
*18) An dem oberen Rande dieses Astes wird durch einen halbkreisförmigen
Ausschnitt eine vordere und hintere Ecke gebildet, erstere
ist der Kronenfortsatz (Processus coronoideus) und letztere der
Gelenkfortsatz (Processus condyloideus). Die vordere Contur des
Kronenfortsatzes geht in eine schiefabsteigende Linie (Linea obliqua
externa) über.
Roth, anatom. Atlas. Text.
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