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hundert Gulden, zu Beſtreitung der jaͤhrlichen Koſten,
beyzuſtiften. Der Stifter ſelbſt behaupte zwar in der
Einleitung ſeines Plans Seit. 12, da der Feldbau,
die Gartenkunſt u. a. m. gemeiniglich eher auf dem
Lande, dann in den Staͤdten Platz faͤnden; da ihre
Erlernung blos zufaͤllig waͤre, und daher unter keiner
allgemeinen Aufſicht ſtehen koͤnnte: ſo beſchraͤnke ſich
die Stiftung einzig mit ſolchen Faͤchern, ohne die ſich
weder eine vollſtaͤndige Stadtwirthſchafterinn, noch
eine gute Hausmutter denken laſſe. Nichts deſtowe⸗
niger bekenne er daſelbſt, daß dieſe Kenntniſſe von
großem Nutzen ſeyn moͤchten, indem auch der Staͤd⸗
ter, neben ſeinem Handwerk, ſich oftmals mit laͤnd⸗
licher Beſchaͤftigung abgebe., Ihr Rath wurde be⸗
folgt: und ſeitdem ſieht man die muntern Maͤdchen,
ihr Gartengeſchirr geſchultert, ins Feld ausrucken, die
Erſtlinge ihrer Landwirthſchaft zu Markte bringen,
zur Herbſtzeit ſelbſtgepflanzte Trauben ſchneiden, aus
dem ſaͤmmtlichen Erloͤs der Stiftung den etwa uͤbri⸗
gen Koſten⸗Erſatz, und ſich obendrein ein gutes Ta⸗
gelohn verſchaffen. — Ein andermal berathſchlagte ſich
mit ihr eine reiche Wittwe uͤber die beſte Weiſe, die
„Stiftung auf ihren Todesfall zu bedenken. Dieſe he—
gete den Wunſch, daß alle Maͤdchen daran eine glei⸗
che Belohnung empfiengen, um den haͤßlichen Neid
voͤllig zu entfernen — ðund K verſetzte die Ehrw.
Marie, die Traͤgheit, den Tod der Stiftung, her⸗
beyzuziehen? Wo, ich bitte, wo bliebe dann die ſo
heilſame Nacheiferung? Daß dieſe zuweilen in wah⸗
ren Neid abartet, oder daß die fehlgeſchlagene Hoff⸗
nung doch Thraͤnen entlocket, das iſt wohl ein Fehler
der Stiftlinge, aber keineswegs der Stiftung, der
man ihn ſo wenig Schuld geben darf, als Gott ſelbſt,
daß ſeine ungleiche Vertheilung der Gnaden, Talente
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