Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7945,m
Scheffel, Philipp Jakob; Tulla, Johann Gottfried [Gefeierte Pers.]
Nekrolog auf Johann Gottfried Tulla: gestorben in Paris am 27. März 1828
Karlsruhe, 1830
Seite: 8
(PDF, 3 MB)
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Freiburg und der Oberrhein

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0008
C S

er dennoch immer mit großem Eifer und ſolchem Erfolg, daß ſtets die gunſtigſten Zeugniſſe
über ſeine Fortſchritte in den Ingenieurwiſſenſchaften, von ſeinem verdienſtvollen Lehrer an den
Durchlauchtigſten Fürſten, der den talentvollen aber mittelloſen Juͤngling huldreich und mildeſt
unterſtuͤtzte, eingeſandt wurden.
Der Major Bordet, ein kenntnißreicher und beſonders mit der geometriſchen Konſtruktionslehre
und ihren verſchiedenen Zweigen ſehr vertrauter Ingenieur, der von Karl Friedrich, dem
Erlauchten Kenner und Befoͤrderer der Künſte und Wiſſenſchaften, ſchon fruͤher aus England in
Markgraͤflich Badiſche Dienſte berufen worden war, hatte, noch ehe Tulla in Langsdorfs
Schule kam, durch eigenen zweckmaͤßigen Unterricht den Grund gelegt, zu deſſen ſpaͤterer Ausbildung
in der geometriſchen Projectionslehre (Géométrie descriptive). Dieſe fruͤh erworbene und durch
Selbſtſtudium immer mehr ausgebildete Fertigkeit in geiſtiger Anſchauung und Beurtheilung
raͤumlicher Verhaͤltniſſe war es, welche, nach Tulla's eigenem Zeugniſſe, ihm die Fortſchritte
im grundlichen Studium der verſchiedenen Zweige der reinen und angewandten Mathematik
ungemein erleichterte, und welche ihn ſpaͤter auf die ſehr nuͤtzliche und fruͤher wenig bekannte
Anwendung der Géomélrie descriptive auf den Bau der Faſchinenwerke geführt hat.
Nachdem Tulla ſich zwei Jahre lang mit angeſtrengtem Eifer den mathematiſchen Studien, und
vorzuͤglich der Mechanik und Hydraulik gewidmet hatte, unternahm er, mit Hoͤchſter Genehmigung
ſeines fuͤrſtlichen Protectors, im Sommer 1794 eine wiſſenſchaftliche Bildungsreiſe, laͤngs dem
Rhein nach Holland und von da uͤber Hamburg, wo er mit Woltmann, Rebſold ꝛc.
bekannt wurde, nach Freiberg in Sachſen; hier blieb er den folgenden Winter, um auf der
dortigen Bergakademie den Bergbau und das Maſchinenweſen zu ſtudiren. Im Sommer 1795
erhielt Tulla die Erlaubniß, ſeinen Lehrer Langsdorf auf einer Reiſe nach der Saline
Walloͤ in Norwegen zu begleiten, wohin letzterer von dem Koͤnige von Daͤnemark zu verſchiedenen
artiſtiſchen Begutachtungen berufen worden war. Nach dieſer Reiſe begab ſich Tulla wieder nach
Freiberg, brachte noch den Winter von 1795 — 1796 auf der dortigen Bergakademie zu und
kam nach nochmaligem kurzen Aufenthalt bei ſeinem verehrten Lehrer und Freund Langsdorf
in Gerabrunn, nach einer Abweſenheit von vier und einem halben Jahr, im Spaͤtjahr 1796
wieder in ſeine Vaterſtadt Karlsruhe zuruͤck.
Tulla hatte ſich waͤhrend dieſer Zeit durch ſeine Studien unter Langsdorfs Leitung,
durch den Umgang und die naͤhere Bekanntſchaft mit ausgezeichneten Lehrern der Bergakademie
Freiberg, ſo wie durch vieles Selbſtſtudium und durch eigene Beobachtungen auf ſeinen verſchiedenen
Reiſen, einen ſeltenen Schatz theoretiſcher und techniſcher Kenntniſſe, namentlich in der Hydraulik,
Hydrotechnik, Mechanik, in dem Bau der Maſchinen, in der Salzwerkkunde, dem Bergweſen ꝛc.
geſammelt. Mit beſonderm Wohlgefallen vernahm daher auch Markgraf Karl Friedrich,
„daß laut der beſtandenen Pruͤfungen Geometer Tulla der Hoͤchſten Intention entſprochen


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