http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0010
( 10
ſtarken Dampfmaſchine und mehrerer Raͤder in Bewegung geſetztes Schiff, welches zum Nachziehen
anderer Schiffe beſtimmt, und deſſen ganze Einrichtung hauptſuͤchlich auf den Rhein berechnet war.
Im October 1799 uͤbergab Tulla der Badiſchen Regierung eine Anzeige uͤber dieſe von ihm
gemachte Erfindung, mit der Bitte, daß bei der Koͤniglich Großbrittanniſchen Admiralitaͤt angefragt
werden moͤchte, welche Belohnung dem Erfinder, wenn ſeine Einrichtung bewaͤhrt gefunden wuͤrde,
zu Theil werden duͤrfte. Die Sache wurde auch nach England befoͤrdert, ohne daß uͤbrigens eine
Antwort von dort zuruͤck gekommen waͤre. Erſt einige Jahre ſpaͤter, im Jahr 1804, machte der
Amerikaner Fulton zu Paris auf der Seine die erſten Verſuche mit einem von ihm dort gebauten
Dampfſchiffe, reiſete alsdann nach Amerika ab, wo er ſeine Idee noch vervollkommnete und ſo
der Urheber einer der wichtigſten Verbeſſerungen in der Schifffahrt wurde, ein Ruhm, der unſtreitig
auch unſerm Landsmann Tulla zu Theil geworden waͤre, wenn man ſeine gewiß gruͤndliche Idee
ſogleich an einem Schiffe ausgefuͤhrt, in praktiſcher Anwendung auf einem Strome geſehen haͤtte *).
Im Sommer 1801 wurde Tulla von ſeiner Regierung nach Frankreich geſandt, um ſich mit
der Sprache, mit den neueſten wichtigſten Erfindungen im Maſchinenweſen und mit der Einrichtung
des Waſſer- und Straßenbaufaches in dieſem Nachbarlande bekannt zu machen. Waͤhrend eines
anderthalbjaͤhrigen Aufenthalts in Paris und Blois hatte er das Ungluͤck, oft und lange krank zu ſeyn,
was den ohnehin angebornen Hang zur Melancholie noch vermehrte, und, in Zuſammenwirkung mit
andern druͤckenden Verhaͤltniſſen, den jungen Mann oft in eine bedauernswuͤrdige Stimmung
verſetzte. Dieß hinderte ihn jedoch keineswegs, ſich mit dem ihm eigenen Eifer den verſchiedenen
Studien ſeines Faches in franzoͤſiſchen Werken zu widmen, obſchon Tulla aus Vorliebe fuͤr
mathematiſche Wiſſenſchaften, wie er ſelbſt oft eingeſtand, den Zweck ſeiner Reiſe, hinſichtlich der
franzoͤſiſchen Sprache, nur unvollkommen erreichte. Auch machte Tulla hoͤchſt intereſſante
Bekanntſchaften mit vielen ausgezeichneten franzoͤſiſchen Ingenieurs und Gelehrten, welche den
*) Auszug der Großherzoglich Badiſchen Staatszeitung vom 20. Dezember 1814, Schlußartikel, die
großen Fortſchritte der Gewerbkunde, des Maſchinenweſens ꝛc. in England betreffend.
„Es moͤchte hier“, ſchreibt der Einſender (geheimer Hofrath Langsdorf), „nicht am unrechten Orte
„ſeyn, zu bemerken, daß der jetzige Großherzoglich Badiſche Genie-Oberſtlieutenant Tulla, Ritter des
„Kaiſerlich Ruſſiſchen St. Wladimirordens, ruͤhmlichſt bekannt durch die Rektifikation der Linth in der
„Schweiz, zu welcher er die Plane entwarf, und bei welcher er die wichtigſten Bauten ſelbſt dirigirte,
„ſchon im Jahr 1799 eine vollkommen zweckmaͤßige Einrichtung zur Betreibung der Schiffe mittelſt
„Dampfmaſchinen angegeben, auch damals ſchon dem damaligen Profeſſor zu Erlangen, jetzigen geheimen
„Hofrath und Profeſſor Langs dorf zu Heidelberg, ſeine Erfindung mitgetheilt hat. Da er ſeine Gedanken
„hin und wieder, obgleich nur im Allgemeinen, mittheilte, ſelbſt an Perſonen, die mit England in enger
„Verbindung ſtehen, ſo iſt es wohl nicht ganz unwahrſcheinlich, daß die Englaͤnder nur die Ideen genannten
„Oberſtlieutenants, unſers Landsmanns, ausgefuͤhrt haben.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0010