Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7945,m
Scheffel, Philipp Jakob; Tulla, Johann Gottfried [Gefeierte Pers.]
Nekrolog auf Johann Gottfried Tulla: gestorben in Paris am 27. März 1828
Karlsruhe, 1830
Seite: 11
(PDF, 3 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

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Fremden, ſeiner Kenntniſſe wegen, hoch ſchaͤtzten. Er lernte damals Mongé's Werk uͤber Géométrie
descriptive kennen, welches gerade erſchienen und das erſte war, worin dieſe Wiſſenſchaft ſo
umfaſſend und gründlich vorgetragen wurde. Tulla bemerkte mit Vergnügen, daß er ſchon bei
ſeinen fruͤhern Studien über dieſen Gegenſtand, im Gang der Ideen und in der Art, die praktiſchen
Conſtruktionen auf mathematiſche Regeln zuruͤck zu fuͤhren, der Methode des gelehrten Mongé gleich
gekommen war.
Tulla benuͤtzte ſchon zu jener Zeit ſeine Bekanntſchaft mit vielen der erſten franzoͤſiſchen
Ingenieurs des Bruͤcken- und Straßenbaues, um ſeine Ideen uͤber zweckmaͤßige Verbeſſerung
des Rheinlaufs nach hydrauliſchen und hydrotechniſchen Gruͤnden, und uͤber moͤglichſt gerade
Leitung des Rheins in einem ungetheilten Bette, Eingang zu verſchaffen; er ſchrieb verſchiedene
kleine Abhandlungen uͤber den Faſchinenbau, uͤber die Theorie der Hydrotechnik, uͤber die
Vermehrung der Geſchwindigkeit des rektificirten Rheins, uͤber die Wirkung der Flußſporn, und
widerlegte die verſchiedenen Einwendungen, welche man, wie er wohl wußte, anfangs gegen
die von ihm gewuͤnſchte Rheinlaufsverbeſſerung machen wuͤrde. Auch fand er ſchon damals bei
auslaͤndiſchen Sach- und Kunſtverſtaͤndigen manchen Beifall fuͤr ſeine aufgeklaͤrten und zweckmaͤßigen
bydrotechniſchen Anſichten und Vorſchlaͤge. Zu Ende des Jahrs 1802 wurde Tulla, wegen der
durch Laͤnderzuwachs vermehrten Geſchaͤfte der Badiſchen Ingenieurs, aus Frankreich wieder in
ſein Vaterland zuruͤck berufen, und der von der Regierung fruͤher beabſichtigte Plan zur Erweiterung
ſeiner Reiſe nach England konnte daher nicht zur Ausfuͤhrung kommen.
Am 2. November 1803 wurde Tulla von ſeinem Regenten, dem damaligen Churfuͤrſten
Karl Friedrich, zum Hauptmann ernannt. Im folgenden Jahre erhielt er als Oberingenieur
die obere Leitung und Aufſicht uͤber den Rhein- und innern Flußbau, in dem Bezirk von der Kinzig
bis an die Alb, nebſt dem Waſſerbau in der Pfalz und den Badiſchen Oberlanden. Beſondere
Auftraͤge riefen ihn nach Mannheim zur Abtragung der dortigen Feſtungswerke und zur Sicherung
dieſer Stadt gegen Ueberſchwemmungen. Jetzt trat Tulla in eine Dienſtſphaͤre, in welcher er ſich
durch ſeine ſeltenen Kenntniſſe, große Uneigennuͤtzigkeit, durch raſtloſe, nur oft von Kraͤnklichkeit
unterbrochene oder gelaͤhmte Thaͤtigkeit, um ſein Vaterland ſehr verdient gemacht, und auf dieſe
Art die fruͤhern Hoffnungen ſeines fuͤrſtlichen Goͤnners im vollſten Maße gerechtfertigt hat. Tulla
ſuchte bei allen Arbeiten, welche die damaligen Mittel des Landes an dem Rhein zu unternehmen
erlaubten, ſeine auf Theorie und Erfahrung gegruͤndeten Regeln des Strombaues praktiſch
anzuwenden, und wurde, zum großen Nutzen der Uferbewohner, der Gruͤnder eines neuen,
ſehr zweckmaͤßigen und ſeither ſchon vielfach im Auslande nachgeahmten Bauſyſtems.
So wie der Rhein, ſo zogen auch die ungeregelten innern Fluͤſſe des Landes, die Rench,
Kinzig, Elz, Murg ꝛc. die Aufmerkſamkeit des tief denkenden Hydrotekten auf ſich und veranlaßten
ihn zu Vorſchlaͤgen, wie den oft wiederkehrenden Verheerungen durch zweckmaͤßige Durchſchnitte


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