Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7945,m
Scheffel, Philipp Jakob; Tulla, Johann Gottfried [Gefeierte Pers.]
Nekrolog auf Johann Gottfried Tulla: gestorben in Paris am 27. März 1828
Karlsruhe, 1830
Seite: 12
(PDF, 3 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0012
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und ſonſtige Arbeiten vorgebaut und wie die Cultur der Ufergelaͤnde erhoͤht werden koͤnnte. Obgleich
dieſe wohldurchdachten Vorſchlaͤge, wegen verſchiedener, außer dem Bereich des Artiſten liegender
Hinderniſſe nicht immer vollſtaͤndig und alsbald ausgefuͤhrt wurden, ſo verdankt doch gegenwaͤrtig
eine nicht unbedeutende Strecke Landes laͤngs der Rench bei Oberkirch, Tullas Bemuͤhungen die
fruͤher entbehrte und durch zweckmaͤßige Flußverbeſſerungen, gute Waͤſſerungsanſtalten und durch
Abwendung nachtheiliger Ueberſchwemmungen erhaltene oder vermehrte Fruchtbarkeit. Auch die
Anwohner der Kinzig, von Haslach bis Kehl, erkennen in ihm den Schoͤpfer eines fruͤher nur ſehr
unvollkommen bekannten Bauſyſtems, welches darin beſteht, den oft wilden Bergſtrom mit
Durchſchnitten in ein regelmaͤßiges und unveraͤnderliches Bett zu bringen, die Ufer dauerhaft zu
ſichern und durch ſtarke Daͤmme den ſchaͤdlichen Ueberſchwemmungen vorzubeugen. Durch dieſe ſehr
nuͤtzliche und noch bis jetzt nach Maßgabe der pecuniaͤren Mittel immer fortgeſetzte Flußrectification
und die dadurch moͤglich gewordenen Culturverbeſſerungen hat ſich Tulla an den, ehemals auf
groſße Strecken mit Sand und Kies bedeckten, Ufern der Kinzig ein dankbares Andenken geſtiftet.
Ein noch weit glaͤnzenderes Denkmal ſeiner umfaſſenden hydrauliſchen und hydrotechniſchen
Kenntniſſe gruͤndete ſich aber Tulla durch ſeine ruͤhmlichen Arbeiten in der Schweiz, mittelſt
welcher die Senkung des Waſſerſpiegels des Wallenſtaͤdter Sees, die Trockenlegung des ſehr
bevoͤlkerten und damals wegen der vielen Suͤmpfe hoͤchſt ungeſunden untern Linththales, ſo wie
der Geſtade des Wallenſtaͤdter Sees bei Weſen und Wallenſtadt und die damit in Verbindung
ſtehende Rectification der Linth und Maag bezweckt werden ſollten *). Tulla nahm, mit Hoͤchſter
Genehmigung ſeines Regenten, den im Frühjahre 1807 von Seite des Landammanns der Schweiz
an ihn ergangenen ehrenvollen Ruf an, die an der Linth und Maag noͤthigen Corrections- und
Austrocknungsarbeiten zu leiten und gieng noch in demſelben Jahre in jene Gegend ab. Waͤhrend
eines zweimonatlichen Aufenthalts hatte er ſich durch ſeine ausgebreiteten Kenntniſſe im Flußbau
und durch die Biederkeit ſeines Characters das Zutrauen der zu dieſem großartigen Unternehmen
verbundenen Regierungen der Cantone Zuͤrch, St. Gallen, Glarus und Schwiz in ſo hohem
Grade erworben, daß er im folgenden Jahre wieder dahin berufen wurde, um die von ihm
vorgeſchlagenen wichtigen Arbeiten ſelbſt in Gang zu ſetzen. Der ſchoͤnſte Erfolg kroͤnte die von Tulla
mit groͤßter Gründlichkeit und ſcharfſinniger Combination entworfenen Plane, welche theils von ihm
ſelbſt, groͤßtentheils aber von dem um das ganze Linthunternehmen hoch verdienten Staatsrath Conrad
Eſcher aus Zuͤrch, mit dem beharrlichſten Eifer ausgefuͤhrt worden ſind. Der große Zweck wurde
in einer Reihe von mehrern Jahren, mit einem Koſtenaufwand von nahe einer Million Schweizer

) Wie groß die Noth und wie dringend die Abhilfe war, davon zeugt der im Maͤrz 1807 von der
eidgenoͤſſiſchen Tagſatzung ergangene „Aufruf an die Schweizeriſche Nation, zur Rettung der durch
„Verſumpfungen ins Elend geſtuͤrzten Bewohner der Geſtade des Wallenſees und des untern Linththales.“


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