Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7945,m
Scheffel, Philipp Jakob; Tulla, Johann Gottfried [Gefeierte Pers.]
Nekrolog auf Johann Gottfried Tulla: gestorben in Paris am 27. März 1828
Karlsruhe, 1830
Seite: 16
(PDF, 3 MB)
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Freiburg und der Oberrhein

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C 16

Ausarbeitung der ihm vorgelegten Gegenſtaͤnde vollkommen der Abſicht Seiner Majeſtaͤt und
empfieng ein koſtbares Merkmal der Koͤniglichen Huld und Anerkennung.
Das wichtigſte, groͤßte und nuͤtzlichſte Unternehmen, welches Tulla in ſeinem Vaterlande
ins Leben gerufen, und durch das er ſich als genialer Waſſerbaumeiſter, wie fruͤher an der
Linth, ſo auch an den heimaͤthlichen Ufern des deutſchen Hauptſtromes, fuͤr die fernſte Zukunft
einen dauernden Namen erworben hat, iſt unſtreitig die Rectifikation des Rheins, ein
Unternehmen, welchem er, faſt dreißig Jahre lang, mit der groͤßten und ſeltenſten Beharrlichkeit
einen bedeutenden Theil ſeiner Zeit und ſeiner Kraͤfte widmete. Tulla hatte, wie bereits ſchon
oben angefuͤhrt wurde, die Nothwendigkeit laͤngſt erkannt, daß, um bleibende und moͤglichſt große
Reſultate von den ſo koſtſpieligen Rheinbauten zu erhalten, dieſe nach einem gemeinſchaftlichen
und umfaſſenden Plane angelegt ſeyn ſollten; er ſah ferner den Nutzen voraus, den die
Schifffahrt und hauptſaͤchlich die Cultur der beiderſeitigen Ufergelaͤnde daraus ziehen koͤnnte,
wenn der Rhein in einem moͤglichſt geraden, ungetheilten Bett fließen und in ſolchem fuͤr immer
erhalten werden wuͤrde. Durch die Beobachtungen und Erfahrungen, welche Tulla, hauptſͤchlich
an vielen Fluͤſſen und Bergſtroͤmen der Schweiz, zu machen Gelegenheit hatte, deren zerſtoͤrende
Wirkungen, wenn denſelben nicht durch Kunſt und große Anſtrengung Einhalt gethan wird,
ſich oft in kurzer Zeit uͤber die fruchtbaren Thalgruͤnde verbreiten, war er von der Richtigkeit
ſeiner fruͤhern Anſichten immer mehr und mehr uͤberzeugt worden, daß naͤmlich auch der Rhein laͤngs
der Badiſchen Graͤnze in ſeinem freien und unregulirten Zuſtande, wenn ſchon langſamer als
die Fluͤſſe in den Hochthaͤlern der Schweiz, dennoch eben ſo unvermeidlich, weil gleiche Urſachen
zum Grunde liegen, ſeine verderblichen Wirkungen, zum großen Nachtheil der Uferbewohner,
mit der Zeit immer fuͤhlbarer und druͤckender uͤber ſeine beiden Ufer ausbreiten werde. Tulla
war auch feſt von der phyſiſchen und artiſtiſchen Moͤglichkeit uͤberzeugt, die von ihm gedachte
Rheinrectifikation auszufuͤhren, und daher unterließ er keine Gelegenheit, ſeine dafuͤr entworfenen
Projekte wiederholt in Antrag zu bringen.
Endlich im Jahr 1817, nachdem durch den Pariſer Frieden vom Jahr 1815 das linke
Rheinufer, von der Lauter abwaͤrts bis unterhalb der Badiſchen Landesgraͤnze, an die Krone
Baiern gefallen war, hatte Tulla das Gluͤck, ſeine Lieblingsidee, die Rheinrektifikation,
wenigſtens theilweiſe ausfuͤhren zu koͤnnen. Die Sicherung des Koͤniglich Baieriſchen Dorfes
Woͤrth gegen die verheerenden Einbruͤche und Ueberſchwemmungen des Rheins hatte ſchon laͤngſt
dringende Abhilfe erheiſcht, welche nur im gemeinſchaftlichen Zuſammenwirken mit der Großherzoglich
Badiſchen Regierung, durch Aushebung eines Durchſtiches, mit Erfolg und auf eine radicale
Weiſe erlangt werden konnte. Auch der damalige Zuſtand des Badiſchen Ufers haͤtte an einigen
Stellen koſtſpielige Deckungsarbeiten erfordert. Tulla legte bei dieſem Anlaß ſeine ſchon fruͤher
entworfenen Rectifikationsplane fuͤr jene Rheingegend vor; er fand an dem damaligen Koͤniglich


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