Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7945,m
Scheffel, Philipp Jakob; Tulla, Johann Gottfried [Gefeierte Pers.]
Nekrolog auf Johann Gottfried Tulla: gestorben in Paris am 27. März 1828
Karlsruhe, 1830
Seite: 17
(PDF, 3 MB)
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Freiburg und der Oberrhein

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0017
C17 „

Baieriſchen Regierungsrath, jetzt Oberbaurath von Buͤrgel in München, einen Ingenieur, deſſen
Grundſaͤtze und Anſichten mit den ſeinigen in vollkommenem Einklange waren, und unter dieſen
von den beiderſeitigen Regierungen beguͤnſtigten Umſtaͤnden kam ein Staatsvertrag zu Stande,
in welchem die Rectifikation des Rheins von Reuenburg bis Schroͤckh, mittelſt ſechs Durchſchnitten 4
auf eine Strecke von drei und einer Achtelſtunde nach dem regulirten, oder fuͤnf und drei
Viertelſtunden nach dem alten unregulirten Stromlauf, gemeinſchaftlich von Baden und Baiern
beſchloſſen und ſeither auch mit dem ſchoͤnſten Erfolge ausgefuͤhrt worden iſt.
Die im November 1824 ſtatt gehabten außerordentlichen Hochgewaͤſſer des Rheins haben den
von Vielen lang bezweifelten Nutzen der Rectifikation dieſes Stromes auf der Strecke, wo
ſolche ausgeführt wurde, zur Evidenz bewieſen, und die beiderſeitigen Uferbewohner verdanken
dieſem großartigen, zwar koſtſpieligen, aber in ſeinen Wirkungen und Folgen auch in gleichem
Verhaͤltniß wohlthaͤtigen Unternehmen, die lang entbehrte Sicherheit ihrer Guͤter gegen Uferabbruͤche
und Ueberſchwemmungen und die dadurch theils moͤglich gewordene theils hoͤher geſteigerte Cultur
ihres Grund und Bodens *).
Seine Koͤnigliche Hoheit der jetzt regierende Großherzog Ludwig zu Baden, der kein Verdienſt
unberuͤckſichtigt laͤßt, geruhten, dem wuͤrdigen Pflegling Hoͤchſt Ihres Durchlauchtigſten Herrn
Vaters Karl Friedrich, in Anerkennung ſeiner großen Verdienſte um die Rectifikation des Rheins,
das Ritterkreuz des Großherzoglichen Ordens des Zaͤhringer Loͤwen huldreichſt zu verleihen,
nachdem Höchſt Sie ſchon am 31. Dezember 1823 den Oberſtlieutenant Tulla zum Grade
eines Oberſten erhoben hatten. In gleicher Anerkennung verliehen auch Seine Majeſtaͤt der
Hoͤchſtſelige Koͤnig Maximilian von Baiern dem Oberſt Tulla das Ritterkreuz des Koͤniglichen
Ordens der Baieriſchen Krone.
Die mit ſo großem Erfolg begonnene Rectifikation des Rheins wurde jetzt ein Gegenſtand
weiterer Unterhandlungen zwiſchen den beiden benachbarten deutſchen Uferſtaaten, und ein zweiter
Staatsvertrag vom Jahr 1826, den Tulla mit dem Koͤniglich Baieriſchen Regierungsrath von
Wiebeking zu entwerfen beauftragt war, und welcher die Hoͤchſte Genehmigung der zwei Durch—
lauchtigſten Souveraͤne erhielt, ſpricht die gemeinſchaftliche Fortſetzung der Rheinrectifikation laͤngs der
Badiſch-Baieriſchen Graͤnze auf eine Laͤnge von dreißig Stunden aus, welche Laͤnge aber durch
den neuen Stromlauf in den auszugrabenden Durchſchnitten und in den beibehaltenen Theilen
des alten Strombettes auf dreizehn und eine Viertelſtunde verkürzt, daher um ſechzehn und
drei Viertelſtunden vermindert werden wird. Tulla begann mit Eifer, das große Werk in

*) In Folge dieſer Durchſchnitte war der Rhein, waͤhrend ſeines außerordentlich hohen Standes im
October und November 1824, in der Gegend von Knielingen ſchon fuͤnf Fuß niederer, als er, nach
angeſtellten Beobachtungen, ohne die Durchſchnitte geweſen waͤre. Es iſt daher in demſelben Verhaͤltniß

auch das ſo ſchaͤdliche Quellwaſſer vermindert worden.
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