Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7945,m
Scheffel, Philipp Jakob; Tulla, Johann Gottfried [Gefeierte Pers.]
Nekrolog auf Johann Gottfried Tulla: gestorben in Paris am 27. März 1828
Karlsruhe, 1830
Seite: 19
(PDF, 3 MB)
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C 19

Leiden nach Paris gefuͤhrt hatten, perſoͤnlich dort kennen zu lernen. Der taͤgliche Umgang mit dieſem
jugendlich lebhaften, gelehrten und welterfahrnen Greiſe, welcher ſo eben von Civiale gaͤnzlich
hergeſtellt worden war und noch einige Wochen in Paris verweilte, wo er mit Tulla in einem
Hauſe wohnte, gewaͤhrte dieſem, dem Geiſtesverwandten, manche genußreiche Stunde und
Ermunterung zur ſtandhaften Ausdauer der begonnenen Kur, welche, leider, durch verſchiedene
mit der Steinkrankheit nicht in Verbindung ſtehende Zufaͤlle verlaͤngert wurde. Am 28. Februar
1828 unternahm Doctor Eiviliale die fünfzehnte Bohroperation; noch eine oder zwei ſolcher
Sitzungen ſollten, wie er hoffte, die gaͤnzliche Befreiung ſeines Patienten von dem ſchmerzhaften
Steinuͤbel herbeifuͤhren. Allein die Vorſehung hatte es anders beſchloſſen. Wegen immer zunehmender
Haͤmorrhoidalbeſchwerden, zu denen ſich noch ſtarke Bruſtbeklemmungen geſellten, konnte keine
Operation mehr ſtatt finden; der Kranke wurde nach und nach immer ſchwaͤcher; er legte ſich zwar
erſt am 20. Maͤrz, aber bald traten entzuͤndlich krampfhafte Erſtickungszufaͤlle ein, welche ſich mit
vieler Heftigkeit periodiſch wiederholten und denen auch Tulla, ungeachtet der ſorgfaͤltigſten
Behandlung mehrerer ausgezeichneter Arzte, am 27. Maͤrz, nach kaum zuruͤckgelegtem acht und
fuͤnfzigſten Lebensjahre, unterlag.
Schon die Nachricht von Tullas bedenklicher Krankheit hatte eine große Theilnahme in ſeinem
Vaterlande erregt; die Nachricht ſeines Todes erfuͤllte nicht allein die vielen Freunde des Verſtorbenen
mit Wehmuth und Trauer; Tullas Verluſt wurde auch von ſeinem Durchlauchtigſten Regenten
und den Erlauchten Mitgliedern des Badiſchen Fuüͤ'rſtenhauſes, ſo wie von den oberſten Regierungs—
behoͤrden tief gefuͤhlt und bedauert; die ſchoͤnſte Anerkennung des Werths und der vielfachen
Verdienſte des ausgezeichneten Mannes, von deſſen fernerem Wirken, waͤre er ganz geſund
zuruͤck gekommen, ſein Vaterland noch manche ſchoͤne Fruͤchte haͤtte erwarten duͤrfen. Selbſt
in ſeiner letzten Lebensperiode waren Tullas Gedanken immer auf zweckmaͤßige Verbeſſerungen
in der ihm anvertrauten Leitung des Waſſer- und Straßenbaues, in welcher ihm noch manches zu
thun uͤbrig blieb, und auf die Rectifikation des Rheins gerichtet; noch am Vorabende ſeines Todes,
nachdem er ſich von einer ſtarken Criſis, die ſeinem Leben ſchon Gefahr drohte, wieder einigermaßen
erholt hatte, aͤußerte er ſich ſcherzhaft gegen einen Freund: „Er habe wirklich gefuͤrchtet, de m
„Rh ein auf immer den Ruͤcken kehren zu muͤſſen.“
Die uͤber den Erfund der Leichenoͤffnung von Paris eingeſandten offizillen Dokumente laſſen
keinen Zweifel uͤbrig, daß Tulla nicht an den Folgen der Operation der Civialeſchen Methode,
wie man anfaͤnglich befuͤrchtet hatte, ſondern, wie auch die ſtattgehabten Krankheitsſymptome
zeigten, an ſolchen Zufaͤllen geſtorben iſt, die mit der Operationsmethode durchaus nicht in direkter
Verbindung ſtanden. Die irdiſchen Überreſte des Verewigten wurden am 29. Maͤrz auf dem
Friedhof Montmartre beigeſetzt, und von drei in Paris wohnenden Jugendfreunden des Verſtorbenen,
ſo wie von mehreren, gerade in der Hauptſtadt anweſenden Ingenieuroffizieren, welche, als


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