Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7945,m
Scheffel, Philipp Jakob; Tulla, Johann Gottfried [Gefeierte Pers.]
Nekrolog auf Johann Gottfried Tulla: gestorben in Paris am 27. März 1828
Karlsruhe, 1830
Seite: 20
(PDF, 3 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0020
C 20

Mitglieder der Franzoͤſiſchen Graͤnzberichtigungscommiſſion, den Oberſt Tulla perſoͤnlich gekannt
und geſchaͤtzt hatten, und von andern ausgezeichneten Freunden, zu ſeiner Ruheſtaͤtte geleitet.
Die Stelle, wo Tullas Gebeine ruhen, iſt erhaben und ſehr bemerkbar durch ihre Lage am
Zuſammentreffen zweier Wege, in der Naͤhe einer Glocke, mit welcher das gewoͤhnliche Zeichen
zum Schließen des Gottesackers gegeben wird. Dieſer Platz iſt auf Koſten der Großherzoglichen
Regierung für ewige Zeiten angekauft und Tullas Grab iſt ausgemauert worden, um ſeiner Zeit
mit einem Denkſtein bezeichnet werden zu koͤnnen.
Tulla war nie verehelicht, und mit ihm ſtarb ſein Geſchlecht im Badiſchen Lande aus; ſein
Name wird aber fortleben durch die zahlreichen und gelungenen Werke, die er geſtiftet, und durch
den gelaͤuterten und erhoͤhten Sinn, mit dem er zuerſt die Waſſer- und Straßenbauarbeiten in
ſeinem Vaterlande behandelte, und welchen er, als Meiſter ſeiner Kunſt, auf die von ihm gebildeten
Ingenieurs uͤbergetragen hat. Mit allem Recht ſtand Tulla in dem Rufe als einer der ausgezeichnetſten
und geſchickteſten Waſſerbaumeiſter ſeiner Zeit. Von ſeiner Geſchicklichkeit als Straßenbaumeiſter
zeugt hauptſaͤchlich die erſt am 25. Auguſt 1827 eroͤffnete Ludwigsſtraße uͤber den Schoͤnberg,
welche ganz nach den Entwürfen des Verſtorbenen auf eine Laͤnge von anderthalb Stunden, zur
Verbindung der Stadt Lahr und des Schutterthals mit dem Kinzigthale, ausgefuͤhrt worden iſt,
und welche hinſichtlich ihres Zugs, ihrer ſanften Steigung und ihrer dauerhaften, auf Sicherheit
und Bequemlichkeit berechneten Konſtruktion, allen Forderungen entſpricht, die nach dem dermaligen
vollkommenen Stand der Straßenbaukunſt an eine gute Gebirgsſtraße gemacht werden koͤnnen.
Aber Tulla war nicht allein Waſſer- und Straßenbaumeiſter im vollſten Umfange des Worts;
ſeine ausgebreiteten Kenntniſſe beurkundeten ſich auch in andern Arbeiten.
Der von ihm im Jahr 1799 gemachten Erfindung eines Dampfſchiffes iſt ſchon oben erwaͤhnt
worden. Als die Einfuͤhrung eines allgemeinen Maßes und Gewichts fuͤr das Großherzogthum
Baden im Jahr 1809 vorbereitet wurde, nahm Tulla einen nicht geringen Antheil an dieſem
wichtigen Geſchaͤfte. Von ihm gieng der mittlerweile geſetzlich genehmigte Vorſchlag aus, drei
franzoͤſiſche Decimeter oder drei Zehntel des Meters, welcher der zehn millionſte Theil des
Erdquadranten und in Frankreich die Grundeinheit des Laͤngenmaßes und die Baſis des ganzen
franzoͤſiſchen Maßſyſtems iſt, fuͤr die Laͤnge des neuen und allgemeinen Badiſchen Fußmaßes
anzunehmen. Tulla ſtand von gedachter Zeit an, bis zu ſeinem Tode, in ununterbrochener
freundſchaftlicher Verbindung mit dem wuͤrdigen und gelehrten geheimen Hofrath Wild zu
Muͤllheim, der ſich um das Maßweſen im Großherzogthum ſo große Verdienſte erworben hat,
und mit welchem Tulla uüber dieſen und uͤber andere wiſſenſchaftliche Gegenſtaͤnde oft einen
lebhaften Briefwechſel unterhielt.
Die im Jahr 1812 auf Tullas Vorſchlag angeordnete Triangulirung des Großherzogthums
gab ihm Gelegenheit, auch in dieſem Fache nuͤtzlich zu wirken. Er ſchrieb Anleitungen uͤber


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0020