Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., T 7945,m
Scheffel, Philipp Jakob; Tulla, Johann Gottfried [Gefeierte Pers.]
Nekrolog auf Johann Gottfried Tulla: gestorben in Paris am 27. März 1828
Karlsruhe, 1830
Seite: 21
(PDF, 3 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0021
C 21

den Gebrauch der Theodolite und erfand eine hoͤchſt ſinnreiche und leichte Methode, die Winkel
graphiſch zu centriren und die zur Beſtimmung der Dreieckspunkte gemeſſenen Winkel mittelſt einer
einfachen geometriſchen Conſtruction auf eine richtige Weiſe in die genaueſte Uebereinſtimmung
zu bringen, wodurch fuͤr die Seiten der Dreiecke immer moͤglichſt ſichere und vollkommen gleiche
Reſultate erhalten werden. Unter Tullas Leitung und von ihm revidirt erſchien im Jahr
1812 die erſte und bis jetzt die beſte Generalkarte uͤber das Großherzogthum Baden. Ungeachtet
Tulla waͤhrend der Zeit, wo er die Waſſer- und Straßenbauarbeiten dirigirte, manches
ſchoͤne und nuͤtzliche Werk ins Leben ſchuf, ſo mußten doch noch viele ſeiner trefflichen Ideen,
welche alle nur die Erhoͤhung der Cultur ſeines Vaterlandes bezweckten, zur Zeit noch unausgefuͤhrt
bleiben. So iſt z. B. die Fortſetzung und Beendigung der Rench- und Kinzigkorrection, die
Rectifikation der Elz bis in den Rhein, die Speiſung der Reſidenzſtadt Karlsruhe mit fließendem
Waſſer nach ſeinem Plane, die Trockenlegung verſchiedener Suͤmpfe und Bruͤcher, die Abſchaffung
mehrerer die Paſſage erſchwerender jaͤher Steige an Hauptlandſtraßen ꝛc. immer ſehr von dem
Verſtorbenen gewuͤnſcht worden; die Ausfuͤhrung dieſer und noch mancher anderer zweckmaͤßiger
Arbeiten, die er in Anregung gebracht hat, bleibt aber jetzt einer naͤhern oder fernern Zukunft
vorbehalten.
Tulla ſuchte immer allen ſeinen Entwuͤrfen die groͤßt moͤglichſte Vollkommenheit zu geben;
was nach ſeinen Begriffen ſchlecht oder ſelbſt noch mittelmaͤßig war in den Arbeiten ſeines
Faches, verwarf er aus Grundſaͤtzen; denn eine langjaͤhrige Erfahrung, die vielen Reiſen in
fremden Laͤndern und ein ſcharfer, beobachtender und vergleichender Blick hatten ihn, der ohnedieß
uͤber das Alltaͤgliche erhaben war, zu der Überzeugung gefuͤhrt, daß der wahre Nutzen der
Arbeiten ſeines Faches nicht in Oberflaͤchlichkeit und in engherzigen Beſchraͤnkungen, ſondern
in einer wohl durchdachten gruͤndlichen Anlage, und in einer dauerhaften Ausfuͤhrung beſtehen
koͤnne. Dieſe Ueberzeugung, verbunden hier und da mit aͤſthetiſchen Ruͤckſichten, war es, welche
ihn bei allen ſeinen Entwuͤrfen leitete, und wenn er, was oͤfters geſchah, wegen der ſcheinbar zu
großen Ausdehnung ſeiner Projecte getadelt wurde, ſo beruhigte er ſich mit ſeinem Wahlſpruche:
„Der Tadel wird vergehen, das Gute aber beſtehen.“ Tulla war ſich bei aller Beſcheidenheit
ſeines eigenen Werths als theoretiſch und praktiſch vielſeitig und gruͤndlich gebildeter Ingenieur
bewußt, und eben deßwegen ſtrebte er nicht nach eitelm Beifall, ſondern wollte immer und
ruckſichtslos nur das, was er für das Beſte und Zweckmaͤßigſte erkannt hatte. Mag er auch hin
und wieder, als Vorſtand einer ohnehin noch neuen Staatsadminiſtration, in dieſer Ruͤckſichtsloſigkeit
zu weit gegangen ſeyn, an ſeinem Ruhm, als einer der erſten Ingenieure ſeiner Zeit hat er dadurch
nichts verloren.
Tulla zog es vor, auf den Beifall, den er durch Ausfuͤhrung eines mittelmaͤßigen Projekts

erhalten konnte, ganz zu verzichten, wenn beſondere Verhaͤltniſſe nicht die Ausfuͤhrung ſeiner
6


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1830/0021