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und vielleicht auch durch einen zu großen Reichthum der Gedanken, abgehalten wurde, ſeine aus
Theorie und Erfahrung geſchoͤpften Anſichten und Grundſaͤtze fuͤr den Waſſer 2, Straßen⸗ und
Bruͤckenbau, beſonders mit Rückſicht auf das Beduͤrfniß und die Localitaͤten ſeines Vaterlandes,
ſyſtematiſch zuſammen zu ſtellen, und auf dieſe Art ſeinen gewiß ſehr ſeltenen und jedem Ingenieur
koſtbaren Schatz hoͤchſt nuͤtzlicher Wahrheiten, geordnet zu hinterlaſſen. Zwar finden ſich unter
ſeinen Papieren ſehr lehrreiche Bruchſtuͤcke von Studien aus allen Theilen ſeines ausgebreiteten
Wiſſens, von der geometriſchen Konſtruktionslehre und von der Feldmeßkunſt an, bis zu den
complizirteſten Aufgaben für Waſſer-, Bruͤcken und Straßenbaumeiſter und fuͤr Mechaniker; allein
dieſe Bruchſtuͤcke erfordern, um geordnet und um in ein Ganzes zuſammen getragen zu werden,
noch eine geſchickte Hand und eine gruͤndliche Bearbeitung.
Außer zwei kleinen aber ſehr gediegenen und gehaltreichen Aufſaͤtzen uͤber die Rectifikation des
Rheins, vom Jahr 1822 und 1825, welche auf Koſten der Regierung gedruckt und vielfaͤltig
vertheilt wurden, uͤbrigens nicht in den Buchhandel kamen, iſt von Tulla nichts im Drucke
erſchienen. Letztere Schrift, die vom Jahr 1825, wurde auf hoͤhere Aufforderung von dem
Verfaſſer dieſes in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt und iſt in das Journal de la Société des Scienes,
Agriculture et Arts des niederrheiniſchen Departements, 4ter Band, Straßburg 1827,
aufgenommen worden.
Welchen Werth endlich Tulla, abgeſehen von ſeiner Kunſt und Wiſſenſchaft, auch als
redlicher und uneigennütziger Staatsdiener hatte, und wie ſehr dieß von ſeiner hohen Regierung
anerkannt worden iſt, kann nicht ſchoͤner und treffender bezeichnet werden, als mit den Worten,
welche der Großherzogliche Regierungscommiſſaͤr, Staatsrath und Miniſterialdirector Winter,
in der neun und zwanzigſten Sitzung der zweiten Kammer der Badiſchen Staͤnde, vom 12.
Mai 1828, bei Gelegenheit der Diskuſſion uͤber das außerordentliche Budget, Poſition:
Waſſer- und Straßenbau, zum Lobe des Verſtorbenen geſprochen hat, und welche hier,
als Schluß dieſes Nekrologs, aus dem Protokoll gedachter Sitzung woͤrtlich entlehnt ſind:
„Ich erlaube mir“, ſprach der Redner, „einige Worte des dankbaren Anerkenntniſſes einem
„Manne zu weihen, der große Verdienſte um unſer Land hat, und deſſen Werth auch im
„Auslande hoch geſchaͤtzt worden iſt, den aber die Vorſehung vor einigen Wochen von dieſer
„Welt abgerufen hat — ich meine den Ober-Waſſer- und Straßenbaudirektor Tulla. Er war
„ein Mann von ausgezeichneten Kenntniſſen, beſeelt von dem lebhafteſten Eifer fuͤr das Fach,
„dem er ſein Leben und die Anſtrengungen ſeines Lebens gewidmet hatte, ein Mann von
„großer Redlichkeit und von einer Uneigennützigkeit, die ſelten ihres Gleichen finden mag.
„Ungeachtet in einer Reihe von Jahren ihm mehrere Millionen zur Verwendung anvertraut
„waren, bei welcher es, der Natur der Sache nach, unmoͤglich iſt, die genaueſte Controlle
„zu halten, und ungeachtet er ſelbſt mit der groͤßten Einfachheit und Sparſamkeit lebte, ſo
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