Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6992,g-6
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Irene von Spilimberg: unvollendeter Roman
Karlsruhe, 1930
Seite: VII
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

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die Farbe in der Malerei zu ſpielen vermag. Während aber
Feuerbach mit nicht geringerer Erſchütterung vor der Aſſunta
ſaß, ſie für die Karlsruher Sammlung zu kopieren, verſuchte
Scheffel nach ſeiner Weiſe in emſigen Studien auf der Bibliothek
ſich eine genaue Anſchauung von dem Grunde zu verſchaffen, aus
dem einſt all die bunte Pracht emporgewachſen war.
Es mag ſein, daß er damals erſt auf die weibliche Geſtalt
ſtieß, die ſeinem deutſchen Helden im Hauptteile des Romanes
zur Seite treten ſollte: Irene von Spilimberg. In des Grafen
Fabio di Maniago „Storia delle belle arti Friulane“, in
2. Auflage Udine 1823 erſchienen, und den „Lime di diversi
autori in morte della Signora Irene di Spilimbergo“, die
Dioniſio Atanagi bald nach Irenes Tod, Venedig 1561, ver⸗
öffentlicht hatte, fand er ausführliche Nachrichten über die merk⸗
würdige Frau. Einer alten Adelsfamilie des Friaul zugehörig, die,
reich und mächtig, von lange her als Gönnerin der Künſte Schloß
und Dom ihres Stammortes Spilimbergo am Tagliamento
in mancherlei Sinn ausgeſchmückt hatte, war ſie 1540 geboren,
zweite Tochter eines gelehrten Vaters und einer hochgebildeten
Mutter, die dem venezianiſchen Patriziergeſchlechte der da Ponte
entſtammte. Ihre Kindheit war nicht glücklich, da der Vater
früh verſtarb, die Mutter in einer zweiten Ehe den Kindern
entfremdet ward. In der Not nahm der Großvater ſich Irenens
und ihrer Schweſter Emilia an und zog ſie in Venedig auf.
Früh zeichnete Irene durch reiche Gaben des Geiſtes und künſt⸗
leriſchen Sinn ſich aus. In Dichtung und Muſik tat ſie ſich her⸗
vor und machte in der Malerei ſo bedeutende Fortſchritte, daß
der große Tizian ſelbſt, der Familie da Ponte von länger her
befreundet, ſie als Schülerin annahm. Ehrgeiz und ſchonungs⸗
loſe Arbeit aber wurden dem zarten Körper verderblich, eine
Krankheit raffte die Neunzehnjährige am 15. Dezember 1559
dahin. Die Trauer um die Frühgeſchiedene, deren Schönheit,
Geiſt und künſtleriſches Können die venezianiſche Geſellſchaft
gleichermaßen entzückt hatten, war allgemein. Tizian malte nach
dem Tode noch ihr Bildnis, das der Entrückten einen Lorbeer⸗
kranz in die Hand gibt und auf die Säule, an die ſie ſich lehnt,

* VII *


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