Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6992,g-6
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Irene von Spilimberg: unvollendeter Roman
Karlsruhe, 1930
Seite: XI
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1930/0011
Schuſters geweſen, die in einem Liebesverhältnis voller Miß⸗
verſtändniſſe ſtehen ſollte zu dem deutſchen Humaniſten Wigu⸗
leus Storchbeyn aus Augsburg, der in Italien ſich Virgilio
Cigogna nannte. Er war gedacht als Studienfreund des Roden⸗
ſteiners von der Univerſität und Verfaſſer eines Kommentars zu
Catulls Liebesliedern, der ſeinen Ruhm auf die Nachwelt bringen
ſollte, aber leider von einem neidiſchen Windſtoß, während ſein
Autor ſich wieder einmal an ihm weidete, in die Lagunen geweht
ward (oder, wie eine frühere Faſſung erzählt, bei Runkelſtein in
die Talfer). Eine wunderbare Geſtalt wär er geworden von echt
tragiſchem Humor in der Miſchung von begeiſtertem Drange und
idealem Schwunge mit Beſchränktheit, mangelhaftem Können
und animaliſchen Trieben —. Man kann ſich denken, von welcher
Wirkung Szenen hätten ſein können, wie jene geplante, in der der
deutſche Windbeutel mit Aretin, dem geſchickteren welſchen Falſch⸗
münzer, ſich in Aufſchneidereien überbieten ſollte, die in ein Latein
ſich kleideten, in deſſen Mangelhaftigkeit der eine dem anderen nichts
vorzuwerfen hatte. Vom Podagra ſollte der edle Humaniſt ge⸗
plagt ſein und darum ewig auf der Jagd nach Katzen, um ihrer
Felle ſich zu verſichern.
Ausgeführt wurde von dieſer bunten venezianiſchen Handlung
vom Dichter leider nichts als der Einzug des Helden mit ſeinen
Begleitern in der Lagunenſtadt und ihre erſte Begegnung mit
dem Catullerklärer Storchbeyn, ein Auftritt, in dem der unten
abgedruckte Text mitten inne abbricht. In ihm findet nur die
Vorgeſchichte des Helden, ſein Aufenthalt bei den Waldenſern,
ſeine Vertreibung durch die Truppen der Inquiſition, ſein Auf⸗
enthalt am Nembiaſee, der Uberfall auf den Biſchof im Sarca⸗
tal und die Weiterfahrt nach Venedig ausführliche, ins einzelne
geformte Darſtellung.
Zur Geſtaltung des Ganzen iſt es leider nie gekommen.
Es wirkte ſchon ungünſtig, daß der heiße Sommer und die
Cholera, die bedrohlich in der Stadt umging, die beiden Freunde
zwang, ihre Arbeiten in Benedig vor der Zeit abzubrechen. Ihre
ſchon hart mitgenommene Geſundheit wiederherzuſtellen, flüch⸗
teten ſie zu Ende Juli an den kleinen See von Toblino, der

* XI *


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