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hoch oben in den Bergen, weſtwärts von Trient gelegen, ihnen
bei der Herreiſe ſchon als begehrenswerte Sommerfriſche er⸗
ſchienen ſein mag, als ſie auf der Fahrt von Trient nach Riva
an ihm vorbeikamen. Der Aufenthalt in dem kleinen Schloſſe
am See hat ſeinen köſtlichen Niederſchlag in dem bekannten
„Gedenkbuch über ſtattgehabte Einlagerung auf Kaſtell Toblino
im Tridentiniſchen“ gefunden, das nach des Dichters Tode erſt
erſchien. Es gibt einen Bericht Scheffels an den Heidelberger
Freundeskreis, den berühmten „Engeren“ wieder, der ſchon im
Frühling 1856 einmal in einer für die Offentlichkeit berechneten
Faſſung im 2. Jahrgange des Frankfurter Muſeums Abdruck
gefunden hatte. Dort wird erzählt, wie der Dichter, während
Feuerbach die heroiſche Berglandſchaft auf ſeine Leinwand bannte,
ſich Tag für Tag aus dem alten Schloſſe hinüberrudern ließ in den
„Poetenwinkel“ am Seeufer, um dort auf mitgebrachtem Stroh⸗
ſtuhle die Geſchichte von „Herrn Dietrich von Rodenſtein und
ſeinem Freunde Chriſtoph Langenmantel von Augsburg“ —
ſo ſollte damals der ſpäter „Storchbeyn“ Benannte heißen —,
„von intendierter Beraubung des Biſchofs von Torcello, von
Pietro Aretino dem Dichter“ niederzuſchreiben, bis die Wild⸗
entenfänger von Calavin den Stuhl ſtahlen und ein großer
Seeſchmetterling das Tintenfaß umſtürzte, ſo daß der Dichter
die bekleckſten Blätter in den See warf, wo ſie zugleich „mit
dem Entſchluß, zu ſchreiben“ davonſchwammen ...
Ganz ſo ſchlimm iſt's nun freilich nicht geworden. Im Nach⸗
laſſe findet ſich vielmehr eine ſaubere Handſchrift, auf der Schef⸗
fels Hand eigens bemerkt hat, daß ſie am Tobliner See ge—
ſchrieben ſei. Sie enthält eine ausgeführte Erzählung, wie
Dietrich von Rodenſtein von den Waldenſern weg nach dem
Schloſſe Runkelſtein kommt, bei deſſen Herrn der Gehetzte eine
Ruheſtätte und Unterſtützung zu finden hoffen darf. Hat er doch
ihn und ſeine Gattin beim Einbruch der Truppen des Herzogs
Moritz von Sachſen in Innsbruck vor plündernden Landsknechten
geſchützt. Allein Oswald von Rottenburg hat nach dem Tode
der geliebten Gattin gemütskrank das Schloß verlaſſen und iſt
gen Jeruſalem gepilgert. Und nun iſt die Burg im Beſitze des
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