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gegnet uns das Kind Marioletta, in ſeinem erwachenden Seelen⸗
leben mit einer Zartheit gezeichnet, die an Hadumoth im Ekke⸗
hard erinnert.
Was den Dichter auf dieſen Stoff geführt, wüßten wir nicht
mit Beſtimmtheit zu ſagen, vom Glaubensbekenntnis ſeiner
Jugend hatte er ſich ja früh ſchon abgelöſt. Daß Lenaus „Albi⸗
genſer“ eine Anregung geſpendet hätten, wäre denkbar, Lenaus
Dichtung war hochangeſehen im Scheffelhauſe und hat auch
ſonſt Spuren in Scheffels Werk hinterlaſſen. Felix Dahn ſpricht
in ſeinen Scheffelerinnerungen ſogar von einem Albigenſerroman,
deſſen Anfang der Freund ihm einſt vorgeleſen habe. Nichts der⸗
gleichen findet ſich im Nachlaß, es kann nicht zweifelhaft ſein,
daß hier eine Verwechſlung mit dem Eingangskapitel unſeres
Romanes unterlaufen iſt.
Die geſchichtlichen Angaben dieſes Kapitels hat der Dichter
ſo gut wie ganz aus Jean Legers, eines Waldenſergeiſtlichen,
umfangreicher „Histoire générale des églises evangéliques
des valles de Piemont ou Vaudoises“, die 1669 in Leyden
erſchienen iſt, genommen. Scheffel hat ſie gründlich ſtudiert: ihr
entſtammen die Schilderungen aller Einrichtungen und Sitten
des Tales ſowohl als — mit freier Umgeſtaltung — die Erzählung
von den Kämpfen mit den Truppen der Inquiſition, auch die
Geſtalt des Geiſtlichen iſt Leger entnommen, der ihn nur mit
franzöſiſcher Lautform Geofroy Varaille benennt. Und ſogar die
Landſchaftsſchilderung mußte hier, ein ganz vereinzelter Fall bei
unſerem Dichter, ohne eigene Anſchauung aus der literariſchen
Quelle geſchöpft werden. Möglich, daß die Reiſe nach Südfrank⸗
reich und Oberitalien im Frühling 1856 mit in der Abſicht un⸗
ternommen war, die Waldenſertäler zu beſuchen. Die Erkrankung
des Dichters mag ihre Ausführung verhindert haben, vielleicht
auch ſchon die gewaltige Uberſchwemmung im Rhonetal, welche
die Reiſenden länger in Lyon feſthielt und damit die Anregung
zu dem im erſten Entwurfe nicht vorhanden geweſenen Eingangs⸗
kapitel gab, das die Stadt zum Schauplatze hat. Daß die
Schilderungen vom Nembiaſee und Sarcatal perſönlicher An⸗
ſchauung ihr Daſein danken, iſt oben ſchon dargelegt. Der Uber⸗
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