Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6992,g-6
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Irene von Spilimberg: unvollendeter Roman
Karlsruhe, 1930
Seite: 3
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1930/0020
die das Kampfſpiel dieſer letzten Jahre meinem Leib und meiner
Seele geſchlagen, linde Frühlingsluft ſtrömt durch mein offen
Erkerfenſter und ein ferner Streif blauen Meeres gemahnt mich
an die guten Fahrten, die ich binnenländiſcher Mann ſelber
darauf gethan. Und hier ſei denn dies Gedenkbuch begonnen
und ausgeführt, mir ſelber zur Buße und ſchmerzgetrübter Er⸗
innerung — dem edelſten, begabteſten und tugendſamſten Frauen⸗
bild, das die welſche Erde je getragen, als Kranz auf ein meer⸗
umrauſchtes frühes Grab — und Euch, herzliebſte Frau Mutter,
als Gruß unter die alten Linden des deutſchen Heimathhauſes.

I

Ihr wiſſet all, wie mich der Zeiten Lauf und Wendung ſchon
in jungen Jahren zu einem geächteten landflüchtigen Mann
gemacht, und mir die Freud an der Heimath für immer verdorben.
Und wie ich als ein noch unbärtiger Student den Wittenberger
Hörſäälen den Rücken gedreht, um als des ritterlichen Kriegs⸗
obriſten Herrn Sebaſtian Schärtlin von Burtenbach Locotenent
den ſchmalcaldiſchen Krieg zu beſtehen, wie ich nach deſſen un⸗
glücklichem Ausgang und als die von Augsburg dem Kaiſer
ihre Stadt übergeben, gen Frankreich entweichen mußt und
bei des dortigen Königs Majeſtät Dienſt und Beſtallung an⸗
genommen, wie ich ſodann im 1552er Jahr, als zu Herzog Moritz
von Sachſen die Hoffnung ſtand, daß er der evangeliſchen
Stände Recht und chriſtliche Freiheit erſtreiten würd, wiederum
ein Fähnlein Landsknecht gegen den Kaiſer geführet, im Ehren⸗
berger Clauſenſturm mannlich mitgeſtürmet und gen Inspruck
gerücket, daß Carolus des Fünften Majeſtät kaum noch mit dem
Hofgeſind in dunkler Nacht über die Alpenſteige vor uns ent⸗
reiten konnt, darüber hab ich Euch ſeiner Zeit eine ausführliche
Aufzeichnung zugehen laſſen.
Nachdem aber Herzog Moritz von Sachſen in freier Feld⸗
ſchlacht auf der Lüneburger Heide wider den brandenburger
Markgrafen ſein ritterlich Leben gelaſſen und alle Anſchläg und
Hoffnungen ſo ich auf ihn gebaut, zurückgiengen, wandt ich mich
wieder gen Frankreich, allwo mein alter Feldobriſt Sebaſtian

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