Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6992,g-6
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Irene von Spilimberg: unvollendeter Roman
Karlsruhe, 1930
Seite: 5
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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herfürgezogen und mit den wenigen Doppelſöldnern, die uns
geblieben, ſo mächtig unter die Welſchen einbrach, daß wir ohne
niedergelegt zu werden, der verunglückten Beſtürmung des Kirch⸗
hofs entrinnen mochten, nimmer mehr von einand getrennt und
waren eins geworden, in guten wie in ſchlechten Tagen auch
fürderhin zu einand zu ſtehen.
Er war ſchon ein Fünfziger an Jahren und ſein Haupthaar
ergraut, und auch ſein rother Bart ſchon reichlich mit beginnen⸗
dem Grau durchmiſcht — aber jung an Gemüth, aufrecht, ehrlich
und fromm und außeer der Kriegsdisciplin des Bergbaubetriebs
und der Erze und Geſteine wohlverſtändig, — einſilbig, kein
Mann unnützer Worte, aber im Stillen der Ergründung der
Natur, ihrer Geheimniſſe und Schätze zugewandt, und immer
friſch auf, wenn es galt, einen Ritt in unbekannte Lande oder
einen Marſch über unwegſam Gebirg oder einen kecken Reiters⸗
ſtreich und Geſellendienſt zu thun, des Lebens im tollen Haufen
wie in der Einſamkeit gewohnt.
Und weiter war bei mir Klein Heinzlein der Reitersjung, des
Forſters im Reichenbacher Thal Bub, der im 1552er Feldzug
mit Briefen aus der Heimath zu mir gekommen und nimmer zu
bewegen war, von mir zu weichen, da er die Welt und den Krieg
wollt ſehen und den Hirtendienſt zu Haus ſatt hatte... ein ſchlau
und wohlanſtellig Bürſchlein, aus dem noch was Tüchtiges werden
mag wann er ſich des allzu vielen Frauenzimmers behütet.
Hatten einen guten Wirth zu Lyon, Dumillier geheißen, der
uns wohl hielt und verpflegte. Aber trotz wohlbeſtellten Tiſches
und Kellers verfiel ich dazumal in eine ſchwere Traurigkeit, die
mir ſchier das Herz abdrücken wollte. Und daran war ſchuld
daß ich mein vergangen Thun und Treiben und der Welt Ge⸗
ſtaltung und meines vielgeliebten deutſchen Landes Noth und
Mißſtand betrachtete und daß ich in Vergleich zog die regen⸗
bogenfarbigen Vorſtellungen vom Leben, wie ich ſie in Wittenberg
bei Sang und Becherklang und Leſung der Alten glänzend in
mir aufgebaut — und nun die aſchgraue Erfahrung und Practik,
wie es wirklich mit Land und Leuten, mit Kirche und weltlichem
Regiment beſtellt war.

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