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und löſte die Dauben, da ſprang lachend das Kind Marioletta
heraus und hieng ſich ſeinem Oheim an Hals und rief: „Ach
wie freu ich mich, Oheim Gottfried, daß ich die häßlichen Kloſter⸗
frauen nimmer ſehen muß, und haſt du auch meine zottelhaarige
Ziege Blanchettaund mein Eichhorn Bibiſch zu dir nach Angrogna
genommen?“ Der Pfarrherr Veraglio aber knieete nieder und
ſprach ein kurz Gebet, dann warfen wir dem Mägdlein Mantel
und Barett des Reitersjungen um, hobens zu ſeinem Oheim in
Sattel, tranken mit unſerm wackern Lyoner Wirth aus einem
anderen Faß, darin keine Pfarrersnichte verſchloſſen war, einen
kräftigen Steigbügeltrunk, und trabten in nächtlichem Ritt den
Alpen entgegen, denn ſo wir ſäumten, ſtund immer noch zu
beſorgen, daß von reitender Schaarwache oder reyſigen Biſchofs⸗
leuten unſere anmuthige Kloſterbeute uns wieder abgeſchnappt
werden möcht.
Wurden aber von Niemanden verfolgt oder angerannt...
und mit ſolcher Gelegenheit hab ich dem ſittenſtrengſten aller
Pfarrherrn beigeſtanden ein Mägdlein dem Kloſter zu entführen
und bin als ſein Geleitsmann eingeritten in den Thälern der
Waldenſer. —
II.
Das aber hat mir dazumal nicht vorgeſchwebt, herzliebe
Frau Mutter, daß ich über vier Jahre in jenem weltabgeſchiedenen
Winkel der Alpen bei den Waldenſern verweilen und wohl
noch dort ſitzen würde, der Heimath und Heimkehr uneingedenk,
wenn mich das Schickſal nicht wieder jählings von dannen
getrieben.
Und doch kam es ſo. Denn im einſamen Pfarrhaus Herrn
Gottfried Veraglios zu Angrogna hab ich den Frieden gefunden,
den die Welt mit allem Glanz und Ruhm nimmer bietet, und
die vier Jahre ſind mir dahin geſchwunden wie ein Hauch und
war nicht ein Tag darunter, der mich nicht im Herzensgrunde
erfreut hätte.
Noch wird mirs wehmüthig zu Sinn, wenn ich an mein
Angrognathal gedenke, — und weil Ihr in Deutſchland wohl
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