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ſo manchem Sommer Sonntag zu abendlicher Zeit erſchaut,
wenn die Jungfrauen miteinander den Reihen ſangen oder die
Ballen warfen und die ſchwarzgekleideten langbärtigen Männer
in der Ferne auf und ab wandelten, und hoch oben die Gipfel
der Berge im Abendſchein glühten, als hätten auch ſie ihr
Wohlgefallen an den Kindern dieſer Thäler.
Die groſſe holzvertäfelte Stube des Pfarrherrn aber, wo
ein kleines Häuflein Foliantbände in Reih und Glied an den
Wänden ſtund und in mancherlei Käfigen Mariolettas Sing⸗
vögel ihr Gewahrſam hatten, war in Wahrheit, wie wir ſie
ſcherzweiſe zu nennen pflegten, eine Herberge der Zufriedenheit
und der guten Gedanken.
Dort fanden wir uns in der Winterabende langem Dunkel
zuſammen und freuten uns des Bretſpiels und manchen kühnen
Schachzabelzugs, wenn der Abendimbiß verzehrt, ſaßen wir
um den rieſigen ſteinernen Ofen und ließen die Dinge der Ver⸗
gangenheit Muſterung paſſiren — wußt' ich von Feldlager und
Kriegszügen und trügeriſcher Hofkunſt und angeſtrebter und in
die Brüch gegangener Reform deutſcher Nation Mannigfaches
beizubringen, ſo war dagegen Herr Veraglio eine lebendige
Chronik ſeiner Thäler und ſtundenlang lauſchten wir oft ſeinen
Worten, wenn er von Urſprung und erſten Lehren ſeiner Armen
im Lande erzählte, wenn er Stücke ihrer alten Doctrin in der
herrlich klingenden Sprache der Troubadours las und erklärte,
:ͤ o daß mir noch zur Stunde das Capitel de las Tribu-
lations zur Hand wäre, wie bin ich der Tröſtung im Leide be⸗
dürftig!: wenn er die Schritte des Antichriſts zeichnete, der
zu jeder Zeit den Gerechten Verfolgung, Bann, Kreuzzug, Ketten,
Kerker, Scheiterhaufen, Noth und Tod bereitet, aber am Ende
der Tage vor der Herrlichkeit Gottes mit all ſeinen Verſuchungen
weichen muß, wie der Rauch vor der Flamme.
Noch meine ich ihn vor mir zu ſehen, wie er mit unheimlich
funkelndem Blick aber klangvoller Stimme ſeinen Lieblings⸗
ſpruch ſpricht,
ma cant venrè Jesus al jorn del Jujamèêènt
Un çascun recebré per entier payamènt!
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