Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6992,g-6
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Irene von Spilimberg: unvollendeter Roman
Karlsruhe, 1930
Seite: 16
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1930/0033
Reichen die Sonne nicht untergieng, Scepter und Krone nieder⸗
gelegt, der Herrlichkeit der Welt Balet gegeben und in eines
Kloſters Stille im Land Eſtremadura den Frieden aufgeſucht,
den er auf dem Throne nimmer zu finden vermocht.da
war uns das gleichgiltiger als ob davon die Rede geweſen,
daß unſer Gemeindshirt den Abſchied genommen und Lauten⸗
ſchlager vermeinte, im Angrognathal ſei vielleicht noch mehr
Frieden und Seelenruhe zu finden, als im Kloſter San
Juſt...
Nachdem wir ſo bei vier Jahren des Pfarrherrn Gäſte ge⸗
weſen, faßte ich den Entſchluß, mich gänzlich in dieſem Thale
anzuſiedeln und mein eigen Haus zu bauen. Die Einwohner,
die den buon Capitan Siffredo, wie ſie mich nannten, wohl
leiden mochten, waren deß zufrieden, da erwarb ich mir hoch
über dem Dorf, wo der ſteile Bergpfad vom Angrognabach zu
den Schluchten der Vaccheraalp emporführt, ein paſſend Gelände,
ein Felsvorſprung ragte keck hinaus ins Bergland, dort begann
ich meinen Sitz zu errichten, einen der letzten und höchſtgelegenen
der zerſtreuten Thalgemeinde.
Und ich hatte meine Freude daran, wie es allmälig aus
dem Boden emporwuchs und ſeiner Vollendung entgegengieng,
kein ſäulengetragener Pallaſt, ſondern von beſcheiden tüchtigem
Ausſehen, wie es dortlands zu bauen üblich, — ein thurmartig
Hauptgebäude mit vorſpringendem Erker und tief wie Schieß⸗
ſcharten aus der Mauer hervorlugenden Fenſtern, dabei etliches
für Stall und Scheune dienendes Anweſen.
Ueber dem vordern Eingangsthor ließ ich unſer Wappenſchild,
die drei dürren Zweige über den drei gehauenen Steinen, wohl
ſculpiret anbringen — und weil ich ſo manchesmal daran denken
mußte, wie Ihr herzliebe Frau Mutter oft geſagt — „biſt eben
auch ein Rodenſteiner, mein Siegfried, und wer aus dem
Brunnen unter dem Wurzelwerk der Rodenſteiner Burgeiche
getauft iſt, muß unſtet jagen und reiten und jagt und reitet ver⸗
geblich ums Glück,“ ſo hatte ich — gleichſam zur Abwehr ſolcher
Gedanken, in leichten Umriſſen die Figur einer Fortuna an die
Wand malen laſſen, die mit groſſen Flügeln, ein Füllhorn in

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