Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6992,g-6
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Irene von Spilimberg: unvollendeter Roman
Karlsruhe, 1930
Seite: 26
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel1930/0043
Wildbachs. Ein freudig Gemurmel gieng durch unſere Reihen,
da alles in ſchneeiger Stille ruhte, von keinem Feind beſetzt.
Aber bald unterbrach dump fer Trommelſchlag das Schweigen
der einſamen Landſchaft, kaum hatte Lautenſchlager unten an
der Brücke unſere ſchwache Vorhut ſorgſam aufgeſtellt, ſo knat⸗
terten die erſten Schüſſe, die ſavoyiſchen Heerhaufen rückten heran.
Erſt trennte noch der in wildem Gefäll einherbrauſende Bach
die Streiter...aber die Vertheidiger der Brücke mußten weichen,
obſchon ſo manchen der feindlichen Knechte ihre ſicheren Schüſſe
weggepürſcht hatten, der Bach ward überſchritten und es geſchah
ein harter Anlauf wider die Höhen. Da wars ein herzkräftigender
Anblick wie auf der Felsplatte oben der Pfarrherr Veraglio
ſtund, im langen Talar, die Bibel unterm Arm, gleich einer
Säule, zu der ſeine Streiter emporſchauten, und einem Wahr⸗
zeichen, daß der Sieg mit uns. Vergeblich hatte er dem Kind
Marioletta befohlen, in den Felsverſteck von Pra del Torno
ſich zu begeben, ſie hatte ihre großen dunkeln Augen bittend zu
ihm erhoben und wich nicht von ſeiner Seite.
Da ſchaarten wir uns hinter den Hauptverhau um jene
Bergkuppe zu mannlicher Gegenwehr. Zweimal ſauſten die
bereitgehaltenen Trümmerſtürze, Felsgeröll, Baumſtämme und
was ſonſt aufgehäuft lag, in großen Sprüngen Alles mit ſich
in die Tiefe reiſſend, bergab und reinigten die Abhänge von
den anlaufenden Stürmern.
Mit einemmal aber ſtieg eine Rauchſäule in der Richtung
unſeres Dorfes unheilkündend empor, und der Schlachtruf
avanza, avanza, armaia della fél erſcholl in unſerm Rücken
auf der unvertheidigten gen Angrogna gekehrten Seite des
Berges.
Auf unvermutheten Gebirgspfaden hatte inzwiſchen Herr
Claudius Truchiett von Rindaret mit einem zweiten Heerhaufen
die Höhen unmittelbar über Angrogna überſchritten und rückte
durch die Flammen des unvertheidigten Dorfes dem Kampfplatz
entgegen.
Jetzt hub ſich ein ſcharfes Gewühl an unſern Verhauen,
und gieng uns hart an Leib und Leben.

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