Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6992,g-6
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Irene von Spilimberg: unvollendeter Roman
Karlsruhe, 1930
Seite: 42
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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mächtige Felsblöcke ruhen, von denen man nicht begreift, ob ſie
dorthin geſchwemmt oder getragen oder vom Himmel herab⸗
geſtürzt worden ſind.
Hab ſpäter zu Venetia erfahren, daß bereits der alte Poet
Dante die ſchauerliche Gewalt dieſer oder einer benachbarten
Landſchaft ins Aug gefaßt, indem er in ſeinem Gedicht vom
Inferno einen hölliſchen Felsſtein jenen Bergſtürzen unweit
Trento vergleicht.
Es war ein mühſam Reiten, und holpriger Saumpfad ...
aber ein Strich Landes wie von Gott dazu erſchaffen, um etwas
Wildes und Unebenes, was auf dem glatten Pflaſter eines
Städtiſchen Marktplatzes oder vor dem löblichen Reichskammer⸗
gerichte ein übel und vielgetadelt Anſehen gewinnen würde, all⸗
dorten auszuführen. Und nachdem wir viel auf und ab geritten,
um des Thales Gelegenheit und einen guten Haltplatz zu er⸗
kunden, faßten wir endlich Poſto auf einem mit furchtbaren
Felsblöcken überſchütteten Hügel, wo wir unbemerkt und wie
eingegraben zwiſchen dem Geſtein halten und den aus der Tiefe
zu uns heraufziehenden Saumpfad weit überſchauen mochten.
Da pflanzten wir Heinzlein den Reitersjungen hinter einen
Stein auf des Hügels Gipfel, daß er ein Zeichen gebe, wenn
ſich was rühre, und hielten im Schatten ... im Gemaͤuer eines
verlaſſenen Kalkofens Sieſta und ſuchten die kaum erträgliche
Hitze durch Kurzweil und Scherzreden erträglich zu machen.
Lautenſchlager war gar vergnügt und wohlaufgelegt, und ich
ſelber auch nicht übel zufrieden, daß ich aus einſamtraurigem
Brüten herausgeriſſen wieder Freud an der Action und fähr⸗
licher Wagniß gewonnen.
Jeder Menſch hat ſeine Beſtimmung, ſagte Lautenſchlager,
uns ſcheints in der Planeten Conſtellation vorgezeichnet, daß wir
Prälaten erſchrecken müſſen, die zu Trient Conciliumshalber zu
ſchaffen haben.
Denn im 1552er Jahr, da wir mit Herzog Moritz ſtürmender
Macht in Insbruck einrückten, hats mit dem Concilium ein
verwirrtes Ende genommen und iſt mancher von den geiſtlichen
Herren flüchtig ins Gebirg gerannt ohne ſich umzuſchauen und

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