Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6992,g-6
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Irene von Spilimberg: unvollendeter Roman
Karlsruhe, 1930
Seite: 50
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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Und als es war ein Stund darauf
Da war zZerſprengt der ganze Hauf —
Hellglänzend ſchien die Sonnen,
Der Biſchof blieb im Thal zurück,
Einem guten Reiter hilft das Glück,
Sein Gold war uns gewonnen.

Und der vergnügt dies Liedel ſung
Stund auch im Streit als Reitersjung
Sein Schwert ließ er nicht ſtecken.
Herr Biſchof Ihr müßt leer nach Haus
Schreibt einen neuen Zehnten aus
Der mag den Schaden decken.

Nachdem wir's aber mit Lob des Jungen und oftmals von
Lachen unterbrochen zu End geſungen, ſprach ich: liebe Geſellen,
was wir bei den Waldenſern und im Sarcathal erlebt, das
hat unter uns zu verbleiben und darf nirgend an die große
Glocke gehängt werden ... in Venedig iſt Schweigen Gold,
die Signoria verſteht keinen Scherz mit ſolchen, die der Ketzerei
verdächtig .. heut wollen wir zum letztenmal Kriegsleut und
Reitersmänner ſein, aber drüben ſtill und ſänftlich einherſchreiten
als einfache Pilgrime und wenn Euch Jemand nach dem Capitan
Siffredo fragt, der an der Vaccheraalp gefochten, ſo ſprechet wie
Simon Petrus im Hofe des Hohenprieſters: Ich kenne ihn nicht..
Und wieder ſangen ſie in fröhlicher Weiſe, ſo daß auch ich
zuletzt zur Laute griff und meine Lieblingsweiſe anhub:

Kein Glück noch Ehr
Deß ich begehr
Bringt Hilf mir armen Waiſen,
Mir wird nit gſpart
Aeneas Fahrt,
In Trübſal muß ich reiſen

Derweil wars Veſperzeit geworden, von Wein und Sang und
Klang erquickt ſtiegen wir wohlgemuth in die Barke und ließen
uns durch die Lagunen gen Venedig rudern.

* 50


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