http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0010
Des Dichters Leben und ſeine Werke.
Joſeph Victor Scheffel hat am 16. Februar 1826 als das
älteſte Kind des Oberbaurats Philipp Jakob Scheffel und ſeiner
Frau Joſephine, geb. Krederer, zu Karlsruhe das Licht der
Welt erblickt. Der Vater gehörte der Waſſer⸗ und Straßenbau⸗
direktion des Großherzogtums als Regierungsingenieur an und
war zugleich dem badiſchen Geniekorps als Hauptmann à la
suite zugeteilt. Später erhielt er den Rang eines Majors.
Die Scheffel ſtammen aus dem ſchwäbiſchen Bayern. Der
Landwirt Joſeph Scheffel in Langen⸗Erringen im Algäu ver⸗
heiratete ſich um die Mitte des 18. Jahrhunderts mit Vero⸗
nika Trautwein, deren Bruder Jakob ſpäter zum Prälaten des
im weſtlichen Schwarzwald gelegenen reichsunmittelbaren Be⸗
nediktinerſtifts Gengenbach gewählt wurde. Jakob Trautwein
hat ſeinem im Jahre 1752 geborenen Neffen Magnus Scheffel,
dem Sohn ſeiner Schweſter, den behäbigen Poſten eines Stifts⸗
ſchaffners vermittelt, welche Stelle beſagter Magnus nach dem
Reichsdeputationshauptſchluß von 1803, der auch der Gengen⸗
bacher Selbſtherrlichkeit ein Ende bereitete, als badiſcher
Staatsdiener mit dem Titel eines „Amtskellers“ noch bis zum
Jahre 1809 verwaltete. Er iſt 1832 als Achtzigjähriger geſtor⸗
ben. Im Gegenſatz zu anderen Biographen *) möchten wir be⸗
zweifeln, daß Magnus Scheffel auf die Entwicklung ſeines En⸗
kels, der bei ſeinem Tod ſechs Jahre alt war, irgendwelchen
Einfluß gewonnen hat. Die Großmutter Johanna, geb. Läuble,
iſt ſchon 1826 geſtorben.
Des Dichters Vater, Philipp Jakob, geb. 29. Juni 1789
in Gengenbach, hat die regelrechte Ausbildung des Ingenieurs
durchlaufen. Die Freiheitskriege haben ihn in den Jahren
1814 und 1815 unter die Waffen gerufen; mit beſonderer Aus⸗
zeichnung hat er als Offizier der Landwehr gegen Frankreich
gekämpft und hat das Ideal eines großdeutſchen geeinten Va⸗
*) Z. B. Stöckle, Ich fahr' in die Welt. Paderborn 1888, S. 8.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0010