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Des Dichters Leben und ſeine Werke. 11
ſchwanden, und Briefe zu ſchreiben war ihr ein ebenſolcher
Genuß, ein ebenſolches Bedürfnis, wie jener andern Dichter⸗
mutter am Frankfurter Hirſchgraben. Und wie die Frau Aja
erzählte auch ſie mit Freude und herzlichem Behagen in der
Geißblattlaube oder unter dem alten Ahorn im Garten ſelbſt⸗
erſonnene Märchen, die die Tochter einer Freundin ſpäter ge⸗
ſammelt, ergänzt und herausgegeben hat. Zudem hatte die
gütige Natur Frau Joſephine auch noch mit der Gabe aus⸗
geſtattet, Verſe leicht und ſicher zu bauen, und die alſo Be⸗
ſchenkte hat von ihrer Begabung ausgiebigen Gebrauch ge⸗
macht. Nicht nur Gelegenheitsgedichte aller Art entfloſſen ihrer
Feder, ſie hat auch mannhafte Bekenntniſſe treuer und beſorgter
vaterländiſcher Geſinnung abgelegt, iſt mit warmblütigen poeti⸗
ſchen Außerungen einer innigen Liebe zur engeren Heimat und
zu ihrer Geſchichte nicht dahinten geblieben, hat ihrem tiefen,
von allen konfeſſionellen Schranken freien religiöſen Fühlen
herzlichen Ausdruck im Gedicht gegeben und iſt durch die Er⸗
zeugniſſe ihres behaglichen Humors die Schöpferin mancher
heiteren Laune, manchen klingenden Lachens im Kreiſe ihrer
Familie und ihrer Freunde geworden. Ob man ihr, der liebens⸗
würdig begabten Dilettantin, durch die Herausgabe ihrer Ge⸗
dichte noch im Jahre 1891 gerade einen Gefallen getan hat,
mag dahingeſtellt bleiben. Eins aber ergibt ſich aus dieſer
Sammlung mit Sicherheit: Des Sohnes Luſt zu fabulieren,
ſeine poetiſche Begabung iſt mütterliches Erbteil, während —
nebenbei geſagt — die muſikaliſchen Fähigkeiten der Frau Jo⸗
ſephine auf ihre Tochter Marie (geb. 27. Juni 1829) über⸗
gingen, die auch den Liebreiz einer beſtrickenden körperlichen
Erſcheinung von der Mutter geerbt hat.
Der Dichter war ſich der Bedeutung, die ſeine Mutter für
ihn beſaß, vollauf bewußt: „Wenn Sie meine dichteriſche Art
begreifen wollen, dann müſſen Sie den Grund nicht in meinem
Leben ſuchen, das iſt ſehr einfach verlaufen. Meine Mutter
hätten Sie kennen müſſen; was ich Poetiſches in mir habe, das
habe ich von ihr.“
Die Frau Major war durch die Pflichten der Geſelligkeit
und durch ihr Amt als eine der Vorſteherinnen des Eliſabethen⸗
vereins oft daran gehindert, ihre Hausfrauentätigkeit ſo zu ge⸗
nügen, wie ſie wohl ſelbſt gewünſcht haben mag, und da ſprang
ihre Mutter, die nach kurzer unglücklich verlaufener zweiter Ehe
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