Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0018
Des Dichters Leben und ſeine Werke. 15

den Jeſuitenorden eintrat. Scheffel berichtet an Schwanitz
(Briefe S. 35) von regem Gedankenaustauſch und geiſtigem
Treiben mit den beiden Braun, mit Eggers und Stetten. Er
hat in der letzten Zeit ſo manches aus dem innern Leben an⸗
derer mit angeſehen, was ihn unwillkürlich ernſter macht (an
Schwanitz S. 51). Und auch in ihm kriſelt's. Er ſelbſt berichtet
über dieſe inneren Vorgänge an Schwanitz folgendes:
„Mit meinem Chriſtentum habe ich abgerechnet und den
Dogmenglauben freilich über Bord geworfen; die Sittenlehre
aber — man mag ſie nun chriſtliche oder reinmenſchliche nen⸗
nen, was ja das letzte Ziel für uns ſein muß, will ich feſthalten
und hierin nicht nach abſoluter Freiheit ſtreben.“ (9. Nov.
1845), weiter: J
„All das dunkle Gefühlsleben, das Jugendträumen, der
Glaube der Kindheit, durch deſſen Vorſtellungen man in ſe⸗
liger Ruhe ſchwelgt und direkt ins Paradies des ewigen Le⸗
bens einzuziehen gedenkt, verfliegt wie ein Rauſch, und eine
andere Welt von Ideen rückt an ſeine Stelle. ... Was bleibt
denn bei all dieſem Wechſel? Verdammt wenig, — und doch
wieder die Hauptſache, die Ausſicht: trotz alles Wechſels ein
braver Kerl zu ſein und zu bleiben. Wie nach dem Verluſt
des religiöſen Glaubens das Sittengeſetz noch unveräußerlich
fortbeſteht und auch ohne Glockenklang und Gebet und Kultus
aller Art feſtgehalten werden kann: ſo auch das, was den
Kern jedes echten ſtudentiſchen Strebens bilden muß, der Zug
nach Wahrheit, nach wahrer Tüchtigkeit in allen Geſtalten
des Wirkens“ (in Schwanitz' Album, März 1846) und endlich:
„Der Katholizismus, wenn man ihn mit gläubigem Eifer
und Hingebung erfaßt, niſtet ſich auch mit durchdringender
Kraft im Innern ein und faßt mit ſeiner nicht zu leugnenden
Poeſie und großartigen Anſchauung des ganzen Lebens den
Menſchen total; — ſo daß ein einmaliger und plötzlicher Ent⸗
ſchluß, ihn abzuſchütteln, nicht genügt. Mancher hat ſich aus⸗
ſchließlich durch Feuerbach bewegen laſſen, ſeine katholiſche
Anſicht aufzugeben. Das reicht aber nicht hin, — man muß
das ganze Rüſtzeug der modernen Wiſſenſchaft und Kritik vor⸗
nehmen, um ſich gehörig vor der Rückkehr des Alten zu ſichern,
denn ſonſt kann man wohl den Stamm abſchneiden, aber die
Wurzeln ſitzen noch feſt und treiben nach kurzer Zeit wieder
überall Sproſſen in die Höhe —; man vergißt die Gründe, die


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0018