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Des Dichters Leben und ſeine Werke. 17
barte ſich — wie ſeinem wiedergeborenen Ekkehard — das gött⸗
liche Walten in den Herrlichkeiten der Natur und in der Ge⸗
ſchichte. Durch die Vertiefung in beide fand er den Weg zu
jener inneren Ruhe und Harmonie, deren der Menſch nun
einmal bedarf. L
Die nahe liegenden, ſchon am Schluß der dritten oben mit⸗
geteilten Briefſtelle angedeuteten Verſuche des jungen Ju⸗
riſten aber, in den Jahren des Ringens und Umlernens
für die wankende religiöſe Überzeugung Erſatz zu finden in der
Philoſophie, mißglückten kläglich und mußten nach ſeiner Na⸗
turanlage mißglücken. Schon in Heidelberg hört er Röths
Kolleg über Hegel, offenbar ohne daß es tieferen Eindruck auf
ihn gemacht hätte, in Berlin lehnt er zunächſt die Beſchäftigung
mit der Philoſophie ab: „Da ich mir dieſe (die abſolute Frei⸗
heit) aus inneren Gründen konſtruieren kann, ſo brauche ich
nicht noch einen neuen Bau von Glaubensſätzen auf dialekti⸗
ſchem Weg zu errichten, der vielleicht gerade dann wieder zu⸗
ſammenfällt, wenn man nach mühſeliger Arbeit drin ausruhen
will“ (an Schwanitz, Nov. 1845, S. 28). Sein Freund Stetten
ſucht, im Gegenſatz zu ihm, aus dem Studium der Hegelſchen
Philoſophie ein Reſultat zu gewinnen, womit er gewappneter
und feſter in die Welt treten kann als mit ſeinem entſchlafenen
chriſtlichen Glauben (ebenda). Doch ſchon im März 1846 hat
Scheffel den Entſchluß gefaßt: „Auch von der Hegelſchen Phi⸗
loſophie, deren einzige Quellen noch in Berlin lebendig fließen,
wenigſtens ſo viel abzubekommen, als nötig iſt, um einige
Harmonie in ſich zu bringen und ſich einen feſten Halt zu geben
in bezug auf all die Fragen, die ſich ſo unabweisbar auf⸗
drängen und die man nur unſicher und ſchwankend aus ſich
ſelbſt beantwortet“ (ebenda S. 50). Aber wie geſagt, der Ver⸗
ſuch mißlang. Scheffel, der als echter Poet nur von und in der
Anſchauung leben konnte, wußte ſich in den Abſtraktionen der
Philoſophie nicht zurecht zu finden und gelangt zu einer glatten
Ablehnung ihrer Weſensart: „Krone der Abſtraktion die Phi⸗
loſophie. Keine Farbe, kein Konkretum, unſelige Krankheit
des Denkens, das Allgemeine, was doch immer nur durch Zu⸗
ſammenfaſſung von Erlebtem, Erſchautem, Erhörtem, wenn
ihr wollt Errochenem ſeine Entſtehung fand, an den Anfang
der Dinge zu ſetzen, die Abſtraktionen unter ſich wieder zu
klaſſifizieren, ſchematiſieren und wie die Umſtandsausdrücke
Scheffel. I. b
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