Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0027
Des Dichters Leben und ſeine Werke. 23

Zukunft der nächſten Tage zu ſehen? — vielleicht wird es zu un⸗
ſerem Vorboten! An der Eider und an der Weichſel werden
die Loſe geſchüttelt, — Schleswig und Polen! Brüder, dort viel⸗
leicht wieder! Was aber auch die nächſte Stunde bringen mag,
das nehmet zum Bundesgruß und Loſungswort:
„Kein Deutſchland ohne Preußen!“

Karlsruhe, 27. März 1848. (Dieſelben.)

Die weitere Entwicklung von Scheffels politiſchen Anſchau⸗
ungen iſt bekannt. Er zieht ſich nach den kläglichen badiſchen
Ereigniſſen des Jahres 1849 verſtimmt und ernüchtert von
aller alktiven Teilnahme an der Politik zurück, er ſucht Heilung
ſeines verwundeten Gemüts im Umgang mit den Schwarzwald⸗
tannen und mit dem urſprünglichen Volkstum der Hauen⸗
ſteiner, deſſen Vertreter und Vertreterinnen ihm zuweilen wie
das lebendig gewordene Volkslied erſcheinen (an Eggers). Grol⸗
lend beobachtet er in den nächſten Jahrzehnten die zunehmende
Verpreußung ſeiner Heimat, ſteht im Jahre 1864 keineswegs
auf der Seite des norddeutſchen Staates und nimmt 1866 lei⸗
denſchaftlich Partei für Oſterreich. Selbſt der Krieg gegen
Frankreich erweckt zunächſt keine Begeiſterung (an Werner:
In Süddeutſchland ſei kein Enthuſiasmus möglich, da der
alte Kamerad lalſo OÖſterreich] fehle, der ſo oft die Franzoſen
am Rhein klopfen half), und Szenen, wie ſie Ferdinand Gre⸗
gorovius in ſeinen Römiſchen Tagebüchern (S. 493) aller⸗
dings mit offenbarer Übertreibung und Ungerechtigkeit ſchil⸗
dert, ſind um jene Zeit pſychologiſch nicht ganz unmöglich.
Dann trat allmählich ein Umſchwung ein, in Briefen an ſei⸗
nen Verleger Bonz, an Anton von Werner und andere (vgl.
Proelß, gr. Ausg., S. 642, Briefe an Werner, S. 114 u. a.,
einen Aufſatz von Rudolf Schmidt, „Scheffel in ſeinen Bezie⸗
hungen zum Buchhandel“ in der „Gegenwart“ Nr. 44, S. 279)
wird er zum Bekenner des Reichs, er begreift allmählich Bis⸗
marcks, des Vielgehaßten, Größe und ſteht zuletzt dem preu⸗
ßiſch⸗deutſchen Staate vollkommen verſöhnt und mit herzlicher
innerer Teilnahme gegenüber. Ausführlich wird dieſer all⸗
mähliche Wandel dargeſtellt und mit Beiſpielen belegt von
Zürn in den „Badiſchen Schulblättern“ 1888, Nr. 12 und
1889, Nr. 2.
Während der Tätigkeit des jungen Rechtspraktikanten auf


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0027