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Des Dichters Leben und ſeine Werke. 27

er geſtaltete und formte, ohne ein Wort davon niederzuſchrei⸗
ben, und ein tiefes Erlebnis, die Liebe zu ſeiner Baſe Emma
Heim, gab ihm jenen inneren Schwung, deſſen der Dichter, der
wahrhaft Großes ſchaffen will, nicht entbehren kann. Ein Lied
formte ſich um das andere, in denen bald Werners, bald
Margaretas Liebe ſich ausſprach, auch die ſchweren Enttäu⸗
ſchungen über die Zeitereigniſſe drängten nach künſtleriſchem Aus⸗
druck in den Liedern des ſtillen Maunes, und der philoſophiſche
Kater erwog kopfſchüttelnd die Zuſtände ſeiner Umwelt. Er⸗
gebniſſe lotkalgeſchichtlicher Forſchung aus der Vergangenheit
der Hauenſteiner drängten ſich in die Handlung, ſie zu be⸗
leben und zu erfriſchen, und ſelbſt die Form, in die die Er⸗
zählung dann gegoſſen ward, wird ſchon gelegentlich erprobt
(vgl. das Gedicht Bruchſal in Bd. 9, das nur ein Bruchſtück
zu ſein ſcheint). Alles iſt freilich vorläufig noch ein Chaos.
Es bedarf eines guten Teils des italiſchen Aufenthalts, den
Scheffel endlich in zahem Kampfe dem hartnäckigen Vater ab⸗
gerungen hat, und es bedarf der unzweideutigen Ablehnung
ſeiner zeichneriſchen und maleriſchen Leiſtungen durch die
Freunde und des ausdrücklichen Hinweiſes: „Scheffel, Sie ſind
ja ein Dichter!“ um ihm die letzte Klarheit über ſich ſelbſt
zu verſchaffen, die dann in der Einſamkeit der ſüditaliſchen
Klippeninſel den Sang vom Oberrhein in raſcher Folge ent⸗
ſtehen läßt. — Vorher aber liegen, noch in der Säckinger
Zeit und unmittelbar darnach, mehrere proſaiſche Aufſätze,
die hier erwähnt werden müſſen: Die Säckinger Epiſteln
und die Studie Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald,
deren Lektüre beim Vergleich mit dem Trompeter uns be⸗
weiſt, wieviel echtes, perſönliches Erleben in der epiſchen Dich⸗
tung künſtleriſche Form gefunden hat, und weiter die Briefe:
Aus den rhätiſchen Alpen, die das Reſultat einer im
September 1851 im unmittelbaren Anſchluß an den Säckinger
Aufenthalt mit Häuſſer unternommenen Wanderung ſind und
die den Anfang der Darſtellungen bilden, die der fahrende
Schüler Scheffel in ſo reicher Zahl uns geſchenkt hat.
Der Trompeter von Säkkingen, deſſen pſychologiſches Wer⸗
den wir oben zu ergründen ſuchten, iſt als Kunſtwerk ſelbſt⸗
verſtändlich der Geſamtentwicklung der deutſchen Literatur ein⸗
zureihen, denn jedes Werk, und ſei es noch ſo bedeutend, hat
ſeine Ahnen wie ſeine Nachkommen. Der Schwarzwaldſang


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