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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0033
Des Dichters Leben und ſeine Werke. 29

Auch ihm ward ſein Lied, das ſo ganz parallele Verhältniſſe
mit dem andern aufweiſt, zum Leidvertreib, auch ihm ſpie⸗
gelte ſich in ſeinem Werk der eigenen Zukunft Glück. — Als
romantiſchen Einfluß müſſen wir dann noch — trotz des Ka⸗
ters des Herrn von Preuſchen in Bruchſal, der ſo oft als Be⸗
weis für das Gegenteil angeführt wird — den Kater Hiddigeigei
bezeichnen, der vollkommen organiſch ſich der Entwicklungs⸗
reihe eingliedert, die von Tieck und E. T. A. Hoffmann zu
Keller führt, der mit den Wurzeln ſeines künſtleriſchen Seins
ja auch in der Romantik ſteckt. Romantiſch iſt weiter die Kom⸗
poſition des Ganzen, mit den eingeſtreuten ſangbaren Liedern,
und endlich hat ſich auch noch ein Reſtchen der alten ſpielenden
Jronie der Romantiker in das Gedicht hinübergerettet. Die
ſprachliche Form aber, dieſe ſcheinbar ſo ſalopp hingeſchriebenen
vierfüßigen Trochäen, ſie ſtammt von Heine, den Scheffel von
je eifrig las.
Und doch iſt trotz alledem der Trompeter ein ganzes, rundes,
volles Werk aus einem Guß. Das Beſte daran iſt das, was der
Dichter aus ſeiner eigenen Bruſt genommen: die heitere Fröh⸗
lichkeit und Zuverſicht, die ihn während des italiſchen Aufent⸗
haltes beſeelte, die lebendige Hoffnung, die ihn im Hinblick auf
ſeine Liebe zu dem Schwarzwaldbäschen während des Schaffens
erfüllte. Sein iſt der geſunde Humor, der das Ganze erhellt,
ſein die energiſche Realität in der Wiedergabe der Schauplätze,
ſein die farbenfrohe und lebendige Schilderung der Sitten und
Zuſtände des 17. Jahrhunderts, völlig ſein ſind die lyriſchen
Stimmungen, die ſich durch die Dichtung hinziehen, ſein iſt die
Kraft, die all die einzelnen überlieferten Geſtalten und Mo⸗
tive zur Einheit zuſammenfaßt und mit köſtlicher Friſche be⸗
lebt. Der Dichter hat uns durch dieſe prächtige Friſche des
Tons und durch die feſſelnden Einzelheiten, die er einzumiſchen
verſteht, ſo in ſeiner Gewalt, daß es uns zunächſt ganz ent⸗
geht, wie unorganiſch die Handlung geſchloſſen wird, wie ſie
nicht mit innerer Notwendigkeit aus der Entwicklung der Per⸗
ſonen herauswächſt, ſondern durch einen echten rechten deus
erx machina, in dieſem Fall durch den Papſt, eine lediglich
von außen kommende Löſung des Konfliktes und damit ihr
Ende empfängt. Und ſelbſt das geben wir nach einigem Stutzen
und Beſinnen dem Dichter zu, der uns durch ſeine Liebens⸗
würdigkeit bezwingt, und legen das Büchlein mit jenem frohen


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