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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0034
30 Des Dichters Leben und ſeine Werke.

Lächeln aus der Hand, das eben nur ein echter „Leidvertreib“
hervorzaubern kann.
Scheffels Aufenthalt in Italien fand zufolge häuslicher Vor⸗
kommniſſe ein jähes Ende. Der Dichter hat ſich ſpäter gewöhnt,
die italiſchen Monate als eine ſelige Inſel im unruhig wallen⸗
den Strom ſeines Daſeins anzuſehen, und bis an ſein Lebens⸗
ende hat er ſich nach dieſem glücklichen Eiland zurückgeſehnt.
Was er zu Hauſe fand, konnte ſeine Freude an der Heimat nicht
erhöhen. Der ſelbſtgewählte Kummer der Schweſter bewegte
ihn zu tiefem Mitleid, die grollende Stirn des Vaters, der
den Sohn, mit dem er ſo hoch hinaus gewollt, als landfahrigen
Dichter ohne jede Zukunftsausſicht wiederfinden mußte und
von mehr oder weniger guten Freunden und wohlmeinenden
Baſen allerhand über den mißratenen Joſeph zu hören bekam *),
jagte das letzte Reſtchen von Behagen aus dem Hauſe, und
ſelbſt die gütige Mutter war reizbar und verſtimmt. Um zu
retten, was noch zu retten war, betrieb der alte Herr den
Wiedereintritt des Sohnes in den Staatsdienſt und ſetzte es
durch, daß dieſer auf Grund ſeiner guten Zeugniſſe ohne zwei⸗
tes Examen zum Referendar ernannt wurde. Scheffel wider⸗
ſetzte ſich den Plänen des Vaters energiſch, und eine Erkran⸗
kung (Kopfkongeſtionen und ein wohl damit zuſammenhängen⸗
des Augenleiden), die ihn für längere Zeit arbeitsunfähig mach⸗
te, zögerte die Entſcheidung hinaus. Wieder geneſen, ſetzte er
es durch, daß er nach Heidelberg gehen und ſich für die Habili⸗
tation zum Privatdozenten vorbereiten durfte. Er nahm da⸗
mit einen Plan wieder auf, den er früher ſchon einmal er⸗
wogen hatte**). In Heidelberg gedachte er eine rechtshiſtoriſche
Abhandlung zu ſchreiben und ſich mit germaniſtiſchen Studien
zu beſchäftigen. Es entſtand, vorerſt noch ohne irgendwelche
Beziehung auf den „Ekkehard“, eine Überſetzung des Walthari⸗
liedes, die wohl mit auf Adolf Holtzmanns Anregungen zu⸗
rückgeführt werden muß und die von dem Beſtreben getragen

*) Hausrath gibt in der „Deutſchen Rundſchau“ Bd. 82, S. 100 ergötzliche
Beiſpiele für die Art, wie der „Trompeter“ in Karlsruhe aufgenommen wor⸗
den iſt.
**) Rahn an Schwanitz, 24. Februar 1848: „Joſeph ſoll nach einer Mit⸗
teilung Elsners jetzt die Abſicht haben, ſich dem Privatdozententum zu er⸗
geben und zu dem Zweck noch einmal Berlin zu beſuchen. Das wird ihm am
Ende auch wohl beſſer zuſagen als die Tätigkeit eines Rechtspraktikanten.“


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