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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0039
Des Dichters Leben und ſeine Werke. 35

dienen, nomina sunt odiosa, ſondern wir denken dabei der
ſachkundigen Kritik und der einſichtigen Kunſtfreunde. Man
müßte alle Literaturhiſtoriker und Kritiker von wirklicher Be⸗
deutung nennen, wollte man eine Aufzählung der anerkennen⸗
den Urteile verſuchen. Wir begnügen uns mit der Hervorhe⸗
bung der Meinung des feinſinnigen und gerechten Theodor
Fontane, deſſen Stimme bei ſeiner eigenen hochentwickelten
Künſtlerſchaft beſonders ſchwer ins Gewicht fällt. Er zählt
Ekkehard zu den beſten Büchern, die er geleſen. Man empfange
einen ganz reinen Eindruck. Die Himmelsluft, in der Kunſt
und Schönheit zu Hauſe ſind, wehe durch das Ganze. Eine be⸗
freundete Dame habe das Buch reizend, aber geſchmacklos ge⸗
nannt. Im Gegenteil, meint er dawider, es ſei geſchmackvoll,
nur daß dieſe Bezeichnung nicht ausreiche für alle ſeine Tu⸗
genden. Es ſei fein, kenntnisreich, gerecht, humoriſtiſch, eine
Poetenarbeit durch und durch. Es berühre einen doppelt wohl⸗
tuend, einmal von Natur, dann von Kunſt wegen. Aus einer
dichteriſch liebenswürdigen Natur heraus geboren, ſei es in
der Art ſeiner künſtleriſchen Geſtalt nahezu vollendet *).
Die geiſtige und körperliche Erfriſchung, die Scheffel durch
den Aufenthalt im alemanniſchen Land und durch die dichte⸗
riſche Tat der Selbſtbefreiung erworben, war nicht von langer
Dauer. Es ſtellten ſich nervöſe Störungen quälendſter Art
ein, und auch das ſonſtige körperliche Befinden war ſchlecht.
Der Dichter ſchob dieſe Zuſtände auf die angeſtrengte Arbeit am
Ekkehard, während der er ſich nicht die geringſte Ruhe gegönnt
hatte. „Am Ekkehard habe ich mich ſchier zuſchanden gearbei⸗
tet.“ Doch lag die Sache in Wirklichkeit tiefer. Möbius hat
anſchaulich nachgewieſen, und Kußmaul, der berühmte Arzt
und genaue Kenner von Scheffels körperlichen und geiſtigen
Zuſtänden, hat ähnliches geſagt, daß der Dichter unter ſchwerer
erblicher Belaſtung gelitten hat. Möbius meint, das „Son⸗
nige“ im Weſen der Frau Major ſei keineswegs ein Zeichen
geiſtiger Geſundheit, er rechnet dieſen Zuſtand ins Gebiet der
dauernden Verſtimmungen und behauptet, daß, wenn auch die
Sonnenmenſchen ſelbſt keinen Umſchlägen und Trübungen aus⸗
geſetzt ſeien, doch oft bei Mitgliedern ihrer Familie melan⸗
choliſches Temperament und jäher Stimmungswechſel zutage

*) Vgl. Fontane, Aus dem Nachlaß. Werke, 2. Serie, Bd. IX, S. 235 ff.


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