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36 Des Dichters Leben und ſeine Werke.

trete. Scheffel ſelbſt hat zweifellos den Trübſinn als den in⸗
neren Kern ſeiner Natur aufgefaßt und hat ſogar ſeinen Hu⸗
mor (er ſchreibt: „Komik“. Vgl. Hub, Die deutſche komiſche
Dichtung Bd. 2, 1855, S. 718) nur als die Kehrſeite, die um⸗
gekehrte Form dieſer Melancholie bezeichnet. Zu der krankhaf⸗
ten Anlage geſellten ſich zwar nur zeitweilige, aber dann um ſo
rückſichtsloſere Uberanſtrengung in geiſtiger Arbeit und manche
harte Schickſalsfügung, die ſchwer auf dem weichen Gemüt des
Dichters laſtete. Es iſt kein Wunder, daß ihm unter ſolchen Um⸗
ſtänden der Alkohol ein Mittel wurde, ſich wenigſtens augen⸗
blicklich über die Depreſſionszuſtände hinwegzuhelfen. Und er
mag dann wohl im Kreiſe fröhlicher Zecher, in toll hervor⸗
brechender Luſtigkeit manchmal mehr getrunken haben, als für
ſeine ſubjektiven Verhältniſſe gut war. Das alte Märchen
aber, daß Scheffel ein Trinker geweſen ſei, brauchen wir wohl
nicht zum tauſendundeinten Male zu widerlegen. Wir verwei⸗
ſen auf die Biographien und auf die authentiſchen Außerungen
jeiner Freunde Felix Dahn, Anton von Werner, der ihm in
den letzten zwanzig Jahren ſeines Daſeins ſo innig nahe ge—
ſtanden, und des ſchon erwähnten Profeſſors Kußmaul.
Zuſtände geſteigerter nervöſer Reizbarkeit traten ſchon in
der Zeit vor der Abfaſſung des Ekkehard zutage, und wir ſind
in der Lage, einen bisher unbekannten Brief der Frau Major
an Schwanitz mitzuteilen, der um den 20. März 1854 im erſten
tiefen mütterlichen Erſchrecken über des Sohnes Unglück ge⸗
ſchrieben und als früheſte Außerung der Mutter über die ſchwere
Störung der geſundheitlichen Verhältniſſe des Dichters von
Bedeutung iſt. Noch im November 1852 hatte ſie Schwanitz
gegenüber gemeint, Joſeph ſei zur Zeit der Menſch, deſſen
Hemde den kranken König retten könnte, und er allein wiſſe,
wie das Glück ausſehe, während ſie ſelbſt nur Sorge kenne und
vergeblich nach der launiſchen Göttin ausſchaue. Und nun
heißt es: „.. . mit Plaudern und Erzählen kann ich leider
heute nicht Ihre Krankenwärterin ſein — da ich auch einen
Kranken in der Nähe habe, — und zwar einen, der es vielleicht
mehr iſt als Sie, aber nicht körperlich, ſondern im Gemüte. —
Joſeph — Sie haben keinen Begriff von dem, was wir leiden,
all unſere hingebendſte Liebe vermag nicht das Geringſte mehr
über ihn — ſein Gemüt, ſeine Gedanken ſind vom rechten
Standpunkt verrückt, er leidet unausſprechlich — und wir gren⸗


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