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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0041
Des Dichters Leben und ſeine Werke. 37

zenlos mit ihm. Wir hatten geſtern einen Tag — von dem
heute noch meine Beine zittern. Er war geſtern auch körperlich
ſehr krank — hatte einen furchtbaren Nervenanfall. Zerreißen
Sie dies Blatt — und ſchreiben Sie ja nicht an Joſeph — die
treueſte Teilnahme — macht immer nur alles ärger. — Nie
darf er wiſſen von dieſen Zeilen — ins Feuer damit, nicht
wahr!! — und gleich!
Was eigentlich Joſeph fehlt weiß niemand, er könnte der
glücklichſte Menſch von der Welt ſein — wenn er wollte. Mit
der Begabung an Wiſſenſchaft und Talent — und von Hauſe
aus geſtützt in jeder Weiſe — und trotz all dieſem — weiß er
nicht mehr, was er will und ſoll — und ſieht alle Menſchen
dafür an, als wolle man ſeine Unabhängigkeit beeinträchtigen.
— Dem Staate dienen nennt er ‚ſich verkaufen, — die Liebe
ſeiner Angehörigen — erſcheint ihm als nichts anderes mehr
als Hofmeiſterei — kurzum — ſein heller ſcharfer Verſtand —
ſeine liebenswürdige Gemütlichkeit — alles iſt wie verdreht. O
lieber Freund, wie ſchwer werden wir Menſchen geprüft — an⸗
worten Sie mir nicht — und ſchreiben Sie — ich wiederhole
es — ja nicht an Joſeph, auch ſagen Sie keinem Menſchen von
dem, was ich Ihnen in meinem tiefſten Herzeleid hier vertraut
habe — beten Sie mit mir — ich ſchreibe Ihnen wieder —
und hoffentlich Beſſeres. Für jetzt nur noch die wärmſten Wün⸗
ſche für Ihre Geſundheit und Beſſerung — es geht gewiß bald
beſſer. Ich habe in betreff Ihrer die feſte Hoffnung, und auch
für Joſeph hoffen wir — er reiſt heute nach Heidelberg ab —
weil er glaubt, hier bevormundet zu ſein. Dort iſt er ſehr un⸗
gern — alles, was in der Nähe liegt, befriedigt ihn nicht. —
Der Entſchluß zu einer feſten tüchtigen Berufstätigkeit wäre
das rettendſte — aber jedes leiſe Wort darüber bringt ihn in
die krankhafteſte Aufregung, wiſſen Sie für uns einen Rat —
ihm dürfen Sie nicht raten. Laſſen Sie ſich indes die Nacht⸗
ruhe nicht nehmen. Wir hoffen, daß dieſe Kriſis zu ſeinem und
unſerm Heil glücklich vorübergehe.“
Nach der Rückkehr von der Ekkehardreiſe lebte Scheffel zu⸗
nächſt in Karlsruhe und dann in Heidelberg, wo er dem Roman
den Anhang hiſtoriſcher Nachweiſungen hinzufügte, die er den
Hiſtorikern zur Erhärtung des geſchichtlichen Charakters ſeiner
Erzählung ſchuldig zu ſein glaubte. Er mag dabei auch an den
noch nicht völlig begrabenen Plan einer Univerſitätslaufbahn


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