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Des Dichters Leben und ſeine Werke. 3929

verfließenden Winters und Frühlings 1855 war der regel⸗
mäßige Beſuch der wöchentlichen Tagungen des „Engeren“ und
des Schmezerſchen Stammtiſches im „Holländer Hof“. Im
„Engeren herrſchte gerade damals regſtes, geiſtiges und ge⸗
ſelliges Leben. Witz und Humor, ſchlagfertige Laune und derbe
Satire blühten hell auf, und Scheffel, oft mit jähem Ruck ſich
den inneren Bedrängniſſen entreißend, war neben Häuſſer und
dem Pfarrherrn von Ziegelhauſen einer der froheſten. Da
entſtanden im kecken Wurf viele ſeiner übermütigen Zechlieder,
die dann im Jahr 1867 im Gaudeamus geſammelt und durch
die Gedichte aus dem Weiteren vermehrt erſchienen ſind. Auch
der Winter 1856/57 und ſpätere Jahre waren nach dieſer Hin⸗
ſicht recht fruchtbar.
Der venetianiſche Aufenthalt Scheffels und Feuerbachs, mit
frohen Hoffnungen und Ausſichten begonnen, endete bald unter
dem Einfluß der furchtbaren Cholera, die in der Stadt und
in ganz Venetien wütete, mit dem phyſiſchen Zuſammenbruch
der Freunde („Scheffel war zum Schatten geworden und konnte
nicht mehr arbeiten“), die Ende Juli im Kaſtell Toblino im
dal der Sarca nördlich des Gardaſees Zuflucht und Erholung
anden.
Scheffel nahm damals das Mißlingen der Arbeit an dem
neu geplanten Roman „Irene di Spilimbergo“ *), der ein
buntes Bild des venetianiſchen Lebens zu Tizians Zeit bieten
ſollte, nicht ſonderlich ernſt, ja er ſcherzte darüber, wie man
am Schluß des Toblinoberichtes (Bd. VIII, 5. 78 f., 185)
ſelbſt nachleſen kann, und doch war dieſe Arbeitsunfähigkeit,
dieſes Verſagen der Geſtaltungskraft ſchon ein Symptom neuer
Krankheit, die zunächſt freilich noch latent in dem Poeten ſteckte
und an deren Möglichkeit er ſelbſt damals ſo wenig dachte, daß
er einen neuen Roman ins Auge zu faſſen ſuchte, deſſen Held
Georg von Frundsberg werden ſollte. Aber ſchon in Meran,
wohin er vom Toblinokaſtell aus gereiſt war, wollte es ihm
nicht mehr behagen. Es wird auch von einem ſtarken Zufall ge⸗
ſprochen, der ihn nach der Beſteigung des Hohen Ifinger ge⸗
packt hat. Mißmutig reiſte Scheffel heim. Während eines Be⸗
*) Über den Spielbergroman berichtet ausführlich Proelß in der großen
Ausgabe ſeiner Biographie S. 348ff. und in einem Aufſatz in „über Land
und Meer“ 1909, Nr. 52. Intereſſante Mitteilungen darüber auch bei Krem⸗
ſer, a. a. O. S. 23 und 35 -ff. L


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