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40 Des Dichters Leben und ſeine Werke.

ſuches in Heidelberg überfiel ihn ſchlagartige Kongeſtion nach
dem Kopf, die eine Gehirnentzündung einzuleiten ſchien, ſchwer
krank brachte Kußmaul ihn nach Karlsruhe. Doch half ſich die
Natur ſelber, ſo daß die unmittelbare Gefahr bald vorüber war,
aber viele Wochen hindurch ward der arme Dichter an den
Abgründen einer furchtbaren Melancholie gehalten. Erſchüt⸗
ternden Einblick in ſeine damaligen pſychiſchen Zuſtände ge⸗
währt ein Brief an Eggers am 29. Februar 1856, den Kremſer
mitteilt (S. 21): „Ich bin unterdes ſchrecklich vereinſamt und
habe keinen einzigen Freund hier, dem ich mein Herz ausſchüt⸗
ten könnte — und doch das Bedürfnis dazu ſo ſtark, daß ich die
kirchliche Einrichtung der Beichte in ihrem innerſten Kern zu
begreifen anfange. Die Poeſie iſt eine verfluchte Sirene ...
ſie zieht und lockt, und hat man ſich ihr ganz hingegeben und
Vater und Mutter verlaſſen, um ihr nachzufolgen ... ritſch!
ſo läßt ſie einem einſam und melancholiſch im Gewühl der Welt
ſtecken, und die Eitelkeit raunt höhniſch ins Ohr: es iſt ja nur
ſchöner Schein' und der Schein muß einſtens zerrinnen — — —
und ganz in der Ferne ſteht der Wahnſinn, der als letzte trö⸗
ſtende Nacht ſich übers arme Hirn zu ſenken droht. — Ich bin
noch immer ſehr krank, und entweder kämpfe ich mich jetzt, wo
das 30. Jahr überſchritten wird, noch einmal durch und werde
ein Mann, ſtark und geſtählt durch Leiden und Reſignation
oder ich geh früh zu Grund und ſchreib am nächſten Schalttag
keine Briefe mehr. .. . Das Glück hat über alle Ringbrüder *)
kein volles Füllhorn ausgeſchüttet, auch Rudolf von Obercamp,
dem der Reichtum zugemeſſen iſt, kann in ſeinem kirchlichen
Refugium unmöglich glücklich ſein, denn wem die Götter die
Einſicht des Schönen verſagt haben, dem fehlt die Haupt⸗
ſache . . . aber gerungen, gekämpft, geſtrebt haben wir alleſamt
in den 12 Jahren, die hinter uns liegen, und das iſt auch
etwas.“
Neue Wanderpläne bewegen bald den Sinn des Halbgene⸗
ſenen. Er erwägt einen Ausflug ins Nahe⸗ und Moſeltal und
will Schwanitz zu einer Schwarzwald⸗ und Vogeſenwanderung
gewinnen. Im Mai beſuchte ihn Eiſenhart, der mit einem
Freund eine Ferienwanderung nach der Provence und Ober⸗

*) Rudolf von Obercamp iſt Rudolf Braun. Vgl. dazu die Anmerkung zu
den Gedichten an Eggers Bd. IX, S. 257.


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