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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0045
Des Dichters Leben und ſeine Werke. 41

italien im Sinn hatte. Es iſt bezeichnend für die unſtete Art
des Poeten, auf welche Weiſe er ſich der Reiſenden anſchloß.
In einem Brief an Schwanitz vom 9. Juni 18656 berichtet die
Mutter darüber: „Als Joſeph ihren Plan vernahm, ſprang er
vom Stuhle auf und ſagte: „ich gehe mit!“ Er war noch krank
— meinte aber, das ſei ſeine Geneſung, er fühle es und dieſe
Freunde ſeien ihm von Gott geſchickt ... Der Gedanke der
Mitreiſe wurde nachmittags am 4. Mai gefaßt und am andern
Morgen um 6 Uhr waren ſie ſchon miteinander fort! Denken
Sie ſich dieſen Sturm in unſerem Hauſe und in unſerem Her⸗
zen! Die Angſt, die Überrumpelung, — aber bald kam es über
uns alle: das ſollte ſo ſein und das werde Joſeph retten!“
Das war nun freilich eine Täuſchung, denn Scheffel kam
— unterwegs in Bordighera von einem ſchweren Wechſelfieber
befallen — kränker zurück, als er gegangen. Die Erlebniſſe
der Reiſe ſpiegeln ſich in den drei provenzaliſchen Reiſe⸗
bildern in unſerem 8. Band, und der hellhörige Leſer merkt, wenn
er etwa ans Toblinobuch denkt, den Unterſchied gegen früher
und erkennt aus der düſteren Grundſtimmung, die durch die
aufgeſetzten humoriſtiſchen Lichter nur noch deutlicher wird, die
innere Zerriſſenheit ihres Verfaſſers, der ſeiner Todesſehnſucht
um dieſelbe Zeit in dem durch das Erlebnis bei Bordighera
veranlaßten Gedicht „Dem Tode nah“ (Bd. IV, S. 74) Aus⸗
druck gab *).
Scheffel ſuchte und fand in Begleitung der Schweſter Heilung
in dem Schwarzwaldbad Rippoldsau, wo ſich ſogar ſein Humor
von neuem einſtellte. Freilich folgte bald wieder eine Depreſ⸗
ſion, denn die Geſchichte mit der ſchönen Straßburgerin, in
die Scheffel ſich heftig verliebte und deren Vater ſeine Werbung
abwies, weil ihn des Freiers materielle Verhältniſſe nicht be⸗
friedigten, ging ihm doch recht nah, wenn die Grundſtimmung
dabei auch mehr Verdruß und AÄrger als eigentliche enttäuſchte
Liebe geweſen ſein mag **). Ähnlich iſt es überdies ein paar

*) Über die ſüdfranzöſiſche Reiſe vgl. Luiſe v. Kobell, a. a. O. S. 22 ff., wo
auch ein Brief der Mutter Scheffels über ſeine Heimkehr und über die Wieder⸗
holung des Anfalls zu finden iſt. — Zum obigen vgl. auch das Gedicht: „Auf
dem St. Gotthard“ Bd. 9, S. 113.
**) Wir werden nicht fehl gehen, wenn wir das Gedicht Bd. IX, S. 115 ff.,
trotz der Münchner Lokalfarbe, auf dies Erlebnis zurückführen. Boerſchel läßt


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