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Des Dichters Leben und ſeine Werke. 57
men, immer ſchlichter und eindringlicher werdend, Klänge war⸗
mer und herzlicher Liebe zur Natur zum Ausdruck, Volks⸗
liedſchlichtheit, mit einem kleinen ungewollten Schuß Eichen⸗
dorff in der Stimmung, wird erſtrebt und glücklich gefunden.
Jubelnd fährt der Dichter hinaus in die Welt. Friſche und
frohe Wanderklänge eigener Prägung ſendet er von den Höhen
und aus den Tälern der Alpen an die Freunde im Neckartal,
und italiſche Erlebniſſe rufen nach künſtleriſcher Formung und
finden ſie: leicht, ungezwungen, heiter oder wehmütig und mit
einem leiſen Zuſatz von Selbſtironie. Die Burgen und Fel⸗
ſen der Heimat und ihre heilenden Quellen laſſen den Dich⸗
ter behaglichen Plauderton finden, und dem Liebling ſeiner
Jugend, dem Meiſter Hebbel, ruft er im vertrauten Aleman⸗
niſch ein herzliches Dankwort nach.
Allmählich gleitet dann die Art des Poeten in den Aven⸗
tiurenton hinein, der oben gekennzeichnet iſt, und wird mit
zunehmendem Alter trockner und ſpröder, namentlich im Ge⸗
legenheitsgedicht landläufiger Prägung, zu dem Scheffel viel⸗
fache Veranlaſſung findet. Nur wenn der Sänger ſich tiefer
getroffen fühlt von einem Erlebnis, dann klingt wohl die alte
Friſche, das alte Temperament in dem Werke, das ſich ihm
aus der Seele ringt. L
Am echteſten aber iſt und bleibt Scheffel im Gaudeamuston,
d. h. im Ton der Lieder aus dem Engeren, zu denen noch
mancherlei hinzuzuzählen iſt, das in unſerm 9. Band ſeinen
Platz gefunden hat.
Das deutſche Trinklied hat mächtige Wandlungen durch⸗
laufen: Von des Erzpoeten mihi est propositum und den
Carmina burana zu den Sauf⸗ und Rülpsäußerungen des
16. Jahrhunderts, wie ſie uns aus dem Gargantua entgegen⸗
klingen und wie ſie Goethe lebendig gemacht hat: Mit offener
Bruſt ſingt Runda, ſauft und ſchreit!; von den gelehrten Re⸗
naiſſancepoeten wie Opitz, der gelegentlich einmal vor dem
Plato ein Grauen empfindet, den tieferen Zweck des Studiums
in Zweifel zieht und ſich von dem Famulus eine Bowle brau⸗
en läßt, oder Weckherlin, der ſchon derbere Töne hervorbringt
und den Zuſtand der Trunkenheit recht wohl kennt:
„Wa iſt mein Kopf, wa meine ſtirn,
Oh, mein Kopf waltzet auf der erden.
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