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58 Des Dichters Leben und ſeine Werke.

Halt! ich verlier ſunſt all mein hirn,
Was wird doch endlich aus mir werden!“

bis zu Chriſtian Günther, der ſeinen Jenenſer Zechgenoſſen
mit Stentorſtimme zujubelt: „Brüder, laßt uns luſtig ſein“
und ſich gründlich beſäuft und oft und Tabak dazu raucht;
von den luſtigen Leipziger Poeten ſtudentiſchen Charakters um
die Mitte des 17. Jahrhunderts, die mit der Depoſition und
dem Pennalismus vertraut waren, wenn ſie's darin auch nicht
ſo toll trieben wie ihre Kommilitonen in Gießen oder Roſtock,
und die ihres guten Geſellen Waſſerhun Lied anſtimmten:
„Friſch ſaufet drein!“ oder ſich bemerklich machten mit dem
Geſang: „CGa ça, wir Herrn ſind da“, bis zu Leſſings derb⸗
realiſtiſchem Beſtreben nach Vereinigung päpſtlicher und ſul⸗
taniſcher Lebensgewohnheiten, zu Hagedorns horaziſch⸗anakre⸗
ontiſch beeinflußten Mahnungen: „Umkränzt mit Roſen eure
Scheitel“ oder „Ihr Freunde, zecht bei freudenvollen Chören“,
und zu Klopſtock und den Brüdern vom Hain und zu Clau⸗
dius, die endlich dem Rheinwein zum Triumph verhelfen über
den bisher allein geprieſenen Malvaſier und Muskateller und
die mit wenigen Edleren unter weithin ſchattender Linde ein
Sympoſion feiern voll geiſtvoll bedächtigen Geſprächs und dann
aus empfindendem Herzen ihr Lied in den ſinkenden Abend
hinausſchicken: „Und wüßten wir, wo einer traurig läge, wir
gäben ihm den Wein!“ Welche Wandlungen ſpiegeln ſich doch
in dieſen Beiſpielen! Dann kam die Burſchenſchaft, die auch ihrem
Kneiplied einen würdigen, ja pathetiſchen Ton lieh, der leicht
unjugendlich und gezwungen wird und auf die Dauer die Stim⸗
mung unfehlbar tötet. Und dann geriet der frohe Rundgeſang in
eine trübe Stagnation. Die Burſchenſchaft war aufgelöſt, und
in den Korps herrſchte ein öder Sauf⸗ und Holzkomment,
den man von maßgebender Seite, der betrunkene Studenten
immer noch lieber waren als politiſch intereſſierte, wenn auch
nicht gerade förderte, ſo doch auch nicht zu hindern ſuchte.
Erſt Scheffel hat das ſtudentiſche Lied aus dem Sumpf wieder
erlöſt. Und das werden ihm die Kommilitonen nicht vergeſſen!
Der Dichter iſt ſelbſt ein fröhlicher Student geweſen. Er
war kein Trinker, das iſt genugſam nachgewieſen, aber er
hat im Kreiſe ſeiner Freunde gern gezecht und hat dabei wohl
auch manchmal über den Strang geſchlagen. Nur ein Bei⸗


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