Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0065
Des Dichters Leben und ſeine Werke. G 61

Denn das iſt deutſchen Waldes Kraft,
Daß er kein Siechtum leidet
Und alles, was gebreſtenhaft,
Aus Leib und Seele ſcheidet.
Daß ich wieder ſingen und jauchzen kann,
Daß alle Lieder geraten,
Verdank ich nur dem Streifen im Tann,
Den ſtillen Hochwaldpfaden:
Aus ſchwarzem Buch erlernſt du's nicht,
Auch nicht mit Kopfzerdrehen:
O Tannengrün, o Sonnenlicht,
O freie Luft der Höhen!

Und ſelbſtverſtändlich gewährt dies enge Bündnis mit der
Natur auch ihm Augenblicke jubelnder Entzückung und Er⸗
hebung, wenn Berggipfel erglühen und Waldwipfel erblühen
und Frau Sonne im lichtgoldenen Kleide ſeine Geleiterin ab⸗

t.
gile Reiſebilder des Dichters ſind zuerſt durchaus von Heine
beeinflußt. So empfinden auch ſeine ſtudentiſchen Freunde,
die die handſchriftlich zirkulierenden Säckinger Epiſteln zu Ge⸗
ſicht bekommen. Aber überraſchend ſchnell macht ſich der Dichter
frei. Eher läßt er ſich von der Art ſeines langen Freundes
Braun und von der des hochgeſchätzten Wilhelm Riehl be⸗
ſtimmen, dem kulturhiſtoriſchen Moment in der Landſchaft und
dem Menſchenleben in ihr nachzuſpüren, aber er bleibt dabei
immer er ſelbſt. Sein Verhältnis zur Natur iſt eben ein ganz
und gar perſönliches, und das iſt immer die Hauptſache. Den
Höhepunkt ſeiner Leiſtungen auf dieſem Gebiet hat er im Tob⸗
linobuch (Bd. VIII) erreicht, die provenzaliſchen Reiſebilder
leiden unter der trüben Stimmung ihres Verfaſſers merklich,
und die elſäſſiſchen Wanderungen erwecken durch das allzu ſtark
hervortretende und kaum verarbeitete hiſtoriſche Material und
den fehlenden ſubjektiven Einſchlag das Gefühl einer gewiſſen
Mattigkeit. Unvergänglich ſchön aber bleiben Scheffels Wan⸗
derlieder im eigentlichen Sinn. Für ſie iſt kein Lob zu ſtark,
kein Wort zu warm. Sie quellen aus dem allerunmittelbarſten
Erleben, und darum wecken ſie unmittelbares friſches Leben:
ſie fahren uns in die Beine und ziehen uns ſelbſt hinaus in
die Wälder Thüringens und die Täler des Frankenlands,


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0065