http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0073
Als Zueignung.
Doch den Sang, der mir in froher
Frühlingsahnung aus dem Herz ſprang,
Send' ich grüßend in die Heimat,
Send' ich Euch, dem Elternpaar.
Manch Gebrechen trägt er, leider
Fehlt ihm tragiſch hoher Stelzgang,
Fehlt ihm der Tendenz Verpfeff'rung,
Fehlt ihm auch der amarant'ne
Weihrauchduft der frommen Seele
Und die anſpruchsvolle Bläſſe.
Nehmt ihn, wie er iſt, rotwangig
Ungeſchliff'ner Sohn der Berge,
Tannzweig auf dem ſchlichten Strohhut.
Was ihm wahrhaft mangelt, deckt es
Mit dem Schleier güt'ger Nachſicht.
Nehmt ihn, nicht als Dank, — ich ſtehe
Schwer im Schuldbuch Eurer Liebe —
Doch als Gruß und als ein Zeichen,
Daß auch einer, den die Welt nicht
Auf den grünen Zweig geſetzt hat,
Lerchenfröhlich und geſund doch
Von dem dürren Aſt ſein Lied ſingt.
Capri, den 1. Mai 1853.
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