http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0076
Wie Jung Werner in den Schwarzwald einreitet.
Deren Stämmen ich ſo manches
Blaue Mal am Schädel danke,
Anvertrau' ich mein Geheimnis.
Balde kommt er ſelbſt, der Frühling:
Und wenn dann der junge Sproß grünt,
Lerch' und Amſel jubilieren
Und der Lenz mit warmer Sonn' euch
Luſtig auf die Häupter ſcheinet:
Dann gedenkt auch meiner, der ich
Als Kurier in ſeinem Dienſte
Heut an euch vorbeigeſauſt.“
Sprach's und ſchüttelte die Wipfel
Derb und kräftig' — AÄAſte knarren —
Zweige fallen — und ein feiner
Nadelregen praſſelt nieder.
Doch die Tannen nahmen ſeine
Huld'gung ſehr ungnädig an,
Aus den Wipfeln tönt die Antwort,
Ein Geſchimpf ſchier war's zu nennen:
„Unmanierlicher Geſelle!
Wollen heut nichts von Euch wiſſen
Und bedauern, daß die feinſten
Herrn die gröbſten Diener haben.
Packt Euch weiter in die Alpen,
Dort ſucht Nüſſe Euch zu knacken,
Dort ſtehn kahle Felſenwände,
Unterhaltet Euch mit denen!“
Während alſo Sturm und Tannen
Sonderbaren Zwieſpruch hielten,
Tönet Hufſchlag — mühſam ſuchet
Durch den ſchneeverdeckten Waldpfad
Sich ein Reitersmann den Ausweg.
Luſtig flatterte im Winde
Ihm der lange graue Mantel,
Flatterten die blonden Locken,
Und vom aufgekrempten Hute
Nickte keck die Reiherfeder.
Um die Lippen zog der erſte
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