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Wie Jung Werner in den Schwarzwald einreitet. 11
Seit ich Abſchied heut genommen
Von den Mönchen zu St. Blaſien,
Wurde leer und öd die Straße.
Da und dort noch ein verſprengter
Landmann, der im Schneegeſtöber
Kaum den Gruß zu bieten wußte;
Dann noch ein paar ſchwarze Raben,
Die mit heiſerem Gekrächze
Zankten um 'nen toten Maulwurf;
Aber ſeit zwei Stunden hatt' ich
Nicht die Ehre, nur ein einzig
Lebend Weſen zu erſchaun.
Und in dieſem Waldesbanne,
Wo die ſchneeverhüllten Tannen
Wie in Leichentüchern daſtehn,
Ritt' es beſſer ſich ſelbander.
Wären's Schelmen und Zigeuner,
Wären's ſelber jene beiden
Sehr verdächtigen Kumpane,
Die den alten Rittersmann einſt
Durch die Waldesnacht begleitet
Und ihm bald als Tod und Teufel
Schnöd ins Angeſicht gegrinſt:
Lieber wollt' mit ihnen reiten
Oder raufen oder ihnen
Eins aufſpielen, als alleine
Weiter durch die Tannen traben!“
Alles nimmt ein End' hienieden,
Auch das Reiten durch die Wälder.
Lichter wurd' es um die Stämme,
Schneegewölk und Sturm verzog ſich,
Und der blaue Himmel ſchaute
Freundlich in das Tannendunkel.
So dem Bergmann, aufwärts fahrend,
Glänzt an Schachtes End' ein fernes
Sternlein; — 's iſt das Licht des Tages,
Und er grüßt's mit frohem Jauchzen.
Auch des Reitersmannes Antlitz
Wurde hell und freundlicher;
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