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Zweites Stück.
Blank fegt' er's mit großem Beſen,
Fort jagt' er die böſen Spinnen;
Stund ein Feſttag im Kalender,
Schmückt' er's zart mit Efeukränzen,
Und er ſang den Morgengruß und
Sang das Schlummerlied dem Faſſe,
Schnitzte auch ſein eigen Standbild
Treu in Holz als Angebind' ihm.
Aber wenn vom Faſſesmunde
Er den Lohn ſich küſſend ſchlürfte,
Dann erging er ſich in kühnem
Schwunge; — oft zu ſeinen Füßen
Lauſcht' ich den ſeltſamen Reden:
„Oben heißt's: ich ſei ein Narre,
Laß ſie's ſchwatzen, lieber Junge,
Nimmer kümmert das Geſchwatz mich.
O, die Welt iſt dumm geworden!
Wie ſie tappen, wie ſie haſchen
Nach der Wahrheit, — und es fährt doch
Immer ihre Stang' im Nebel.
Auf die Gründe aller Dinge
Muß der Menſch zurückgehn, und er
Muß der Forſchung Endergebnis
In konkrete Formen bringen.
So gewinnt er Weltanſchauung;
Solchen Zweck erſtrebend, trink' ich.
Kosmogoniſch iſt mein Trinken:
Seh' den Weltenraum als eine
Luftig große Kellerwölbung.
Drin als Ur⸗ und als Zentralfaß
Iſt die Sonne aufgepflanzet
Und in Reih' und Glied die kleinern
Fäſſer — Fixſtern' und Planeten.
Wie die Fäſſer mannigfache
Sort' und Qualität des Weines,
Bergen die Weltkörper einen
Vielgeſtuften Geiſterinhalt:
Landwein der, — der Rüdesheimer;
Doch das Erdfaß birgt Gemiſchtes:
Gärende Zerſetzung hat den
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