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Der Fridolinustag. 29
Wohl ein mancher von uns andern
Spätgebornen Menſchenkindern
Träumt von einem ſtillen Eiland,
Wo ſich glücklich ließe niſten
Und das müde Herz ſich labt an
Waldesruh und Sonntagsfrieden,
Und ein mancher zieht ſehnſüchtig
Auf die Fahrt — doch wenn ſein Fuß ſich
Am erträumten Lande wähnt,
Weicht es jäh vor ihm zurücke,
Wie im Süd' das wunderſame
Spiegelbild der Fee Morgana.
Mit Kopfſchütteln fuhr den fremden
Mann auf rohgefügtem Tannfloß
Dort ein wilder Schiffer über.
Rauh die Inſel; Lind' und Erle
Wucherten im ſumpf'gen Grunde,
Und am kieſelreichen Ufer
Standen alte Weidenbäume,
Standen wenig Strohdachhütten.
Dort im Sommer, wenn der große
Meerlachs ſeine Rheinfahrt macht,
Lauerte mit ſcharfem Spieße
Sein der alemann'ſche Fiſcher.
Unverdroſſen ging der Heil'ge
An ſein Werk — bald ſtand ſein Blockhaus
Feſtgezimmert in dem Grunde, L
Vor dem Haus der Stamm des Kreuzes.
Und wenn abendlich ſein Glöcklein
Weithin klang: Ave Maria!
Und er betend kniet' am Kreuze,
Schaute mancher aus dem Rheintal
Scheu hinüber nach der Inſel.
Trotzig war der Alemanne,
Haßte einſt die Römergötter,
Haßte jetzt den Gott der Franken,
Der bei Zülpich wie ein Wetter
Ihre Heerſchar niederſchlug.
Wenn am Winterabend faul der
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