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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw1/0097
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Drittes Stück.

Hausherr auf der faulen Haut lag,
Und die Weibervölker emſig
Ihre Zung' ſpazieren ließen
Und von dem und jenem ſchwatzten:
Wie die Milch im Krug geronnen,
Wie der Blitz ins Haus gefahren,
Wie den Jungen auf der Saujagd
Schwer des Keulers Zahn getroffen;
Dann bedachtſam ſprach die alte
Alemann'ſche Großmama:
„Dran iſt niemand anders ſchuld als
Drüben auf der Rheines⸗Inſel
Jener blaſſe fremde Beter.

Trauet nicht dem Gott der Franken,

Trauet nicht dem König Chlodwig!“
Und ſie fürchteten den Fremden.
Einſtmals, 's war die Sunnwendfeier,
Fuhren ſie zu ſeiner Inſel,
Tranken dort nach altem Landbrauch
Met aus ungeheuren Krügen,
Und ſie fahten auf den Heil'gen,
Doch der war rheinab gefahren.
„Wollen drum dem blaſſen Mann ein
Zeichen unſers Feſttags laſſen!“
Und die Feuerbrände flogen
In die Hütte Fridolini,
Und ſie ſprangen jubelnd durch die
Flammen: „Heil und Lob ſei Wodan!“
Still vergnüglich ſah's von fern die
Großmama — unheimlich glänzt' ihr
Runzlig Antlitz, flammbeſcheinet.

Fridolinus kam zurück, er
Stand am Schutte ſeines Hauſes,
Und er ſprach wehmütig lächelnd:
„Prüfung ſchafft den Mut nur höher,
Dank dem Herren für die Prüfung.“
Und er baut' ſein Haus von neuem,
Und er fand den ſichern Pfad zu
Seiner Nachbarn rauhen Herzen.


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