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Der Fridolinustag. 31
Erſt die Kinder, dann die Frauen
Lauſchten ſeinen milden Worten,
Und der trotz'gen Männer mancher
Nickte Beifall, wenn er zeigte,
Wie ſie in Erin, der Heimat,
Sichrer noch den Lachs erlegten,
Wenn er ſang von alten Mären,
Wie auch auf den kaledon'ſchen
Klippen hart der Kampf getobet
Mit dem Römer, und wie Fingal
Niederwarf den Caracul.
Und ſie ſprachen: „'s muß ein ſtarker
Gott ſein, der den Mann zu uns führt.
Und ein guter Gott, ſein Bote
Schaffet unſerm Fiſchfang Segen.“
Und vergeblich warnt' die Ahnfrau:
„Trauet nicht dem Gott der Franken,
Trauet nicht dem König Chlodwig!“
Ja, er traf die rauhen Herzen,
Und ſie lernten ſchwer, doch willi
Fridolini Lehre, wie das G
Geben ſeliger als Nehmen,
Dulden mehr als Feind' erſchlagen
Und wie aller Götter höchſter
Der, der an dem Kreuz geduldet.
Kaum ein Jahr war abgelaufen,
's war Palmſonntag; — niederſtiegen
Rings von allen Bergeshalden
Die Bewohner, und der Kahn trug
Sie zur Inſel Fridolini.
Friedlich legten vor der Inſel
Schwert und Schild und Axt ſie nieder,
Und die Kinder brachen fröhlich
Sich die erſten Weidenblüten
Und die Veilchen an dem Ufer.
Aus der Klauſe trat geſchmückt im
Prieſterkleide Fridolinus,
Ihm zur Seite die Genoſſen,
Die von fern herüberkamen:
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